Am Montag, 18. August 1947, begann die "Export-Messe 1947 Hannover": Die HANNOVER MESSE war geboren. Das "Festmenü" bestand aus relativ grauen Brötchen mit silbrig glänzendem Fisch. Dazu gab es ein Glas Retortenwein. Das Publikum strömte in Massen. Die Bilanz nach 21 Messetagen: 736.000 Besucher. Nach den Jahren allgemeiner Entbehrungen und stärksten Konsumgütermangels präsentierte die Export-Messe erstmals wieder Qualitätserzeugnisse. Ordern konnten jedoch nur "Profis", und dies auch nur auf ausländische Rechnung. Das Ergebnis der Export-Messe mit ihrem Exportbarometer: 1.934 Exportverträge über insgesamt rund 31,6 Millionen US-Dollar. Ausländische Besucher waren aus insgesamt 53 Nationen gekommen, schon damals zur Hälfte aus Übersee.

Angezeigt worden war das Geburtstags-Ereignis im Frühjahr 1947 von den britischen Besatzungsbehörden im Mitteilungsblatt der Industrie- und Handelskammer. Die erste Anzeige für die "Export-Messe" erschien Anfang Juli, bezeichnenderweise unter der Rubrik "Verschiedenes". Der Original-Text lautete: "Export-Messe 1947 Hannover. Vom 18. August bis 7. Sept. 1947 findet in Hannover die Export-Messe für die westl. Zonen statt. In 5 Ausstellungshallen m. 30.000 qm zeigt die deutsche Industrie exportf. Qualitätserzeugn. Standanmeldungen an: Deutsche Messe- und Ausstellungs-A.G., Hannover-Laatzen." Als Symbol für dieses Ereignis hatte man den Kopf des Hermes, Gott der Händler, gewählt. Noch heute steht der Hermeskopf für die HANNOVER MESSE.

Und so begann das Messewunder von Hannover. In nur 99 Tagen wurde die "Export-Messe" aus der Erde gestampft. Weitgehend zerstörte oder zur Demontage verurteilte Fabrikhallen wurden dafür hergerichtet. In den letzten Tagen vor der Eröffnung arbeiteten allein 4.600 Menschen unter Hochdruck auf dem Gelände. Verbraucht wurden u. a. 250 Tonnen Eisen, 2.100 cbm Holz, 90.000 qm Hartfaserplatten, 300.000 Mauersteine, 340 Tonnen Zement, 1.000 cbm Kies, 300 cbm Sand, 10.000 qm Glas und 2.400 qm Dachpappe. Dass nach einer solchen Aufbauleistung zur Eröffnung die Sonne schien, war selbstverständlich. Zu Gehör kam feierlich die Egmont-Ouvertüre. Der Katalog, den die Messebesucher in den Händen hielten, hatte 48 Seiten.

Trotz aller Zeit bezogener Skepsis - auch im Hinblick auf die alte "Reichsmessestadt Leipzig" - wurde die Messe in Hannover in den Folgejahren zum Symbol des deutschen Wirtschaftswunders. Bereits 1948 gab es die erste Telefonverbindung zwischen dem Messegelände und New York. 1950 beteiligten sich erstmals auch ausländische Aussteller an der in "Deutsche Industrie-Messe" umbenannten Veranstaltung, die 1961 in "Hannover-Messe" umfirmierte. Sie wurde zu einem technologisch-wirtschaftlichen Kommunikationsereignis von Weltrang.

Die aus der "Hannover-Messe" 1986 als eigenständige Veranstaltungen hervorgegangenen HANNOVER MESSE und CeBIT sind als Trendmärkte für die Wirtschaft heute die Flaggschiffe unter den zahlreichen Messen und Ausstellungen in der Landeshauptstadt. Auf ihren Gebieten weltweit führend sind aber ebenso die anderen Veranstaltungen, die regelmäßig auf dem Messegelände stattfinden.

 

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