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Bequemlichkeit gewinnt

Alternative Antriebsmethoden wie Elektro- und Hybridmotor liegen im Trend. Bei der Verbreitung ist allerdings noch viel Luft nach oben. Das liegt nicht zuletzt an der schwächelnden Infrastruktur - die aber einer der Erfolgsfaktoren für E-Mobility ist.

01.04.2016

Die Statistik spricht eine eindeutige Sprache: Etwas mehr als 45.000 Fahrzeuge mit sogenannten alternativen Antrieben wurden vergangenes Jahr in Deutschland zugelassen. Ein sattes Plus für elektrische Antriebe von mehr als 45 Prozent weist das Kraftfahrtbundesamt im Vergleich zum Vorjahr aus, für Hybridfahrzeuge immerhin einen Zuwachs von mehr als 22 Prozent. Betrachtet man allerdings das Gesamtbild sind diese Zahlen eher traurig. Denn in der Summe von mehr als 3,2 Millionen Neuzulassungen haben die alternativen Antriebe nur einen Anteil von 1,7 Prozent.

Von der eine Million Elektroautos, die in der Vorstellung der Politik bis 2020 allein auf deutschen Straßen rollen sollen, sind wir noch meilenweit entfernt - und zwar um rund 850.000 Exemplare. Dabei führt an einer Alternative zu Benzin- und Dieselmotor langfristig kein Weg vorbei, sagen Experten. Denn neben schwindenden Rohstoffen erfordern zunehmender Lärm und steigende Luftverschmutzung ein Umdenken.

Geschichte wiederholt sich

Allerdings nicht nur bei den Nutzern, sondern in der gesamten Herangehensweise an das Thema. Dr. Guido Weißmann von der Bayerischen Gesellschaft für Innovation und Wissenstransfer vergleicht die Entwicklung mit der Einführung der CD: "Bei der Einführung lag der Preis deutlich über dem einer Musikkassette, es gab kaum Abspielgeräte und die CD war im Gegensatz zur Kassette nicht wiederbespielbar." Das Urteil lautete damals vieler orten: nicht markttauglich. "Der Erfolg der CD resultierte schließlich aus Faktoren, die wir bis dato nicht kannten. Etwa neue Funktionalitäten wie gleichbleibende Qualität oder schnelle Wechsel von Musikstücken", sagt Weißmann.

Ganz ähnlich verhält es sich nun bei Elektroautos. Die Infrastruktur ist seit 100 Jahren auf den Betrieb von Autos mit Verbrennungsmotoren ausgelegt, daher ist es nicht damit getan, passende Pkw bereitzustellen. "Stattdessen muss sich das gesamte Ökosystem umstellen", sagt Weißmann. Also von den Rohstoffen über die Technik und Dienstleistung bis hin zum Umfeld.

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Sichere Versorgung als Erfolgsgarant

Ein flächendeckendes Versorgungsnetz mit Stromtankstellen etwa ist die Voraussetzung für die Akzeptanz dieses Antriebsmodells in der Masse. Dabei ist nicht nur die Frage nach dem Wo wichtig. Das "Zukunftsinstitut" und dessen Inhaber Matthias Horx, sind davon überzeugt , dass auch das Wie entscheidet: "Das Zugangsdesign muss einfach, intuitiv und normiert sein. Wer Kunden zumutet, etliche E-Tankkarten besitzen zu müssen, um tatsächlich flächendeckend an Strom für das Fahrzeug zu kommen, wird im Mobilitätsmarkt von morgen untergehen."

Statt eines reinen Wettbewerbs der Anbieter auf diesem riesigen Markt sei der Wille zu "Coopetition" entscheidend für den Erfolg. Darunter versteht das Zukunftsinstitut die "gemeinsame Entwicklung nachhaltiger Konzepte, innovativer Technologien und grüner Geschäftsmodelle". Denn eine einheitliche Nutzungsstruktur sei unumgänglich für den Erfolg des gesamten Konzepts.

Einfach muss es sein

Ähnlich sieht das auch Thomas Stebich, Manager Produktentwicklung Elektromobilität beim Versorgungsriesen EnBW (Halle 27, Stand H71). "Elektromobiltät einfach machen", ist der Leitspruch des Projekts, dazu kooperiert EnBW auch mit anderen Unternehmen. Hubject (Halle 27, Stand H85) etwa bietet eine IT- und Businessplattform, um Ladeinfrastrukturen in Europa zu vereinheitlichen und damit kundenfreundlich zu gestalten.

Hoffen auf den Super-Akku

Neben der Infrastruktur spielen auch Energiespeicher eine wichtige Rolle. Hemmfaktor Nummer 1 bislang ist der hohe Preis der Autos, der vor allem von teuren Akkus herrührt, die noch dazu nur eine geringe Reichweite bedingen. Neue Entwicklungen lassen zwar hoffen, doch sind noch lange nicht marktreif.

So lässt sich der Prototyp eines Aluminium-Ionen-Akkus der Universität Standford in einer Minute laden , verspricht eine ultralange Lebensdauer von 7.500 Ladezyklen und soll zudem auch noch sicherer sein als herkömmliche Lithium-Ionen-Akkus. Allerdings liefert er im Labor bislang lediglich eine Spannung von zwei Volt.

Aber wer weiß: Vielleicht bestehen die Akkus der Zukunft ja auch aus Wasser ?

Neue Antriebs- und Speichertechnologien für den Verkehr der Zukunft sind eines der Schwerpunktthemen der HANNOVER MESSE 2016. Im Forum MobiliTec diskutieren Unternehmer, Techniker und Politiker über Mobilität, Infrastruktur und intermodale Logistikkonzepte. Präsentiert werden unter anderem neue Entwicklungen der Ladeinfrastruktur, der Präzisionsmechanik für Elektroantriebe, der Komponentenfertigung und der Digitalisierung von Mobilitätsangeboten.

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