Anzeige
HANNOVER MESSE 2018, 23. - 27. April
Wechseln zu:
Integrated Energy

In Smart Grids verschieben sich die Marktgewichte

Die Digitalisierung der Energieversorgung steht in den meisten Ländern gerade erst am Anfang oder probiert sich in Pilotprojekten aus. In Deutschland ist sie schon etwas weiter. Und das ist nicht unbedingt hilfreich.

28.11.2017
Michael Triadan
Bloomberg
In Smart Grids verschieben sich die Marktgewichte (Foto: Bloomberg)

Im Whitepaper " Digitalization of energy systems " prognostiziert Bloomberg New Energy Finance (BNEF) signifikante Technologieverschiebungen bis 2025: Die digitalen Technologien werden sich in Richtung Dienstleistungen für dezentrale erneuerbare Energien verlagern, also Richtung Smart Grids und "Prosumer". Als eine solche Mischung aus Verbraucher und Erzeuger gelten auch Industrieunternehmen mit eigenem Blockheizkraftwerk oder eigener Solaranlage. Hier, so die Bestandsaufnahme, wird der Wandel früher und schneller einsetzen – einfach aus dem Grund, weil größere Systeme leichter und lohnender in intelligente Netze einzubinden sind als etwa Haushalte. Dabei gehen (digitale) Neuinstallationen Hand in Hand mit Retrofit-Nachrüstungen. Und: Der Fokus verschiebt sich von der Hardware auf die Software.

Das wiederum bedeutet, dass die Profiteure des Wandels nicht unbedingt die klassischen großen Versorger sind, sondern ebenso IT-Schmieden, darunter wohl auch innovative Startups. BNEF hält in der Anfangsphase Partnerschaften zwischen den Beteiligten für entscheidend und geht davon aus, "dass der Sektor rasche Konsolidierung und Innovation erleben wird, bevor sich klare Gewinner ergeben". Die gesamte Wertschöpfung aus digitalen Energy-Lösungen im Jahr 2025 beziffert die von Siemens in Auftrag gegebene Studie auf 64 Milliarden US-Dollar. Siemens hat zum Beispiel für das Netze-BW-Umspannwerk Niederstetten , wo ein hoher Strombedarf aus der Industrie auf schwankende Einspeisungen aus regenerativen Energiequellen trifft, bereits einen dezentralen Regionalcontroller aufgesetzt, der Fehler selbstständig erkennt und sogar zur automatisierten Selbstheilung greifen kann.

Allerdings zählt BNEF Deutschland nicht zu den wichtigsten zehn Ländermärkten – anders als zum Beispiel die USA, Italien und Frankreich oder Mexiko . Es gebe hierzulande zwar eine aktive Startup- und Investment-Community, gebremst werde Deutschland aber durch "die derzeitige Überkapazität im Energiebereich und die relativ junge Hardware-Flotte, bei der in absehbarer Zeit keine Erneuerungsmaßnahmen (auch keine digitalen Retrofits) fällig werden."

Anzeige