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HANNOVER MESSE 2019, 01. - 05. April
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Digital Factory

Plattformen: Das IoT sucht sein Betriebssystem

Plattformökonomie ist ein zentrales Thema der Digital Factory 2018 – und der gesamten HANNOVER MESSE. Von AXOOM und AWS über Microsoft und Google bis Siemens sind fast alle Big Player am Start.

22.03.2018
Bild_Plattformen_Das IoT sucht sein Betriebssystem

Die Industrie 4.0 braucht ein Betriebssystem. Und auf der weltweiten Suche danach ist die HANNOVER MESSE 2018 eine entscheidende Station: Globale IT-Größen, führende Maschinenbauer und neue branchenübergreifende Allianzen werben auf der Weltleitmesse der Industrie um Kunden für ihre IoT-Plattformen, aus denen das Betriebssystem entstehen soll.

So bieten in Messehalle 7 die IT-Schwergewichte Microsoft Azure, SAP und IBM ihre Plattformdienste an. Amazon Web Services, Deutsche Telekom, Cisco und EdgeX Foundry präsentieren sich in Halle 6. In Halle 8 geht die TRUMPF-Tochter AXOOM an den Start.

Auch diverse IAMD-Aussteller bringen eigene Plattformen mit: In Halle 9 werben sowohl B&R mit der Orange Box als auch Siemens mit dem cloudbasierten offenen IoT-Betriebssystem MindSphere um Teilnehmer.

"IT und Industrie haben sich aus zwei Richtungen aufeinander zubewegt", stellt Arno Reich, Global Director IAMD und Digital Factory der HANNOVER MESSE, fest. "In Zeiten der digitalen Transformation ziehen sie nun an einem Strang und können nicht mehr separat voneinander betrachtet werden." Automatisierer, die laut Reich mittlerweile über große Softwarekompetenz verfügen, werten ihre Produkte und Services mit digitaler Technologie auf. "Gleichzeitig wenden sich IT- und Internetkonzerne der Industrie zu und finden dort mit Adaptionen ihrer bisherigen Angebote – Stichwort Plattformökonomie – ein hochattraktives Anwendungsfeld", so Reich.

Die TRUMPF-Tochter AXOOM (Halle 8, Stand F12) stellt Maschinenherstellern und Fertigungsunternehmen seit 2015 eine cloudbasierte Plattform zur Verfügung, um neue Geschäftsmodelle und "individuelle Massenfertigung" zu ermöglichen. In Halle 8 der HANNOVER MESSE zeigt sich die AXOOM GmbH als "offene digitale Geschäftsplattform, die entlang der Wertschöpfungskette im Rahmen von Industrie 4.0 die Zukunft der Produktion gestalten will". Im Mittelpunkt stehe dabei "die übergreifende Vernetzung von Maschinen, Software und Prozessen mit dem Menschen als entscheidendem Faktor". In Hannover stellt der Anbieter seine Lösungen AXOOM Smart Enterprise für fertigende Unternehmen sowie AXOOM IoT für Hersteller von Maschinen, Komponenten und Sensoren vor.

In guter Position auf dem wachsenden Plattform-Markt sieht sich Amazon Web Services (AWS). In Halle 6 (Stand D46) breitet das Unternehmen seine mehr als 100 Produkte umfassende Palette von Cloud-Services und Software aus. "Unsere Messe-Präsenz wird stark an konkreten industriellen Applikationen und Anwendungsbeispielen orientiert sein", erklärt Jan Metzner, Solutions Architect für IoT bei AWS in EMEA. Im Haupteingang des Stands werden Besucher zunächst durch die "AWS Industrial Software Experience" geführt. "Dabei zeigen wir eine durchgängige industrielle Softwaretoolkette für Produktdesign, Produktionsdesign und Produktion", so Metzner. In einem Technologiedemonstrator anhand eines Industrieprozesses in der Automobil Glas Industrie wird gezeigt wie Industrieroboter mit AWS Edge Technologie gesteuert werden.

Mit von der AWS-Partie in Hannover sind die Software-Größen Siemens, Autodesk, Dassault Solid Works, OSIsoft, Splunk und Beckhoff. Auch Startups wie Tulip und Actyx führen innovative Anwendungen im Produktionsumfeld vor. Auf dem Veranstaltungsplan der AWS-Bühne stehen Vorträge zum Thema Industrial Software Startups in Deutschland, Studien von BCG und Roland Berger, eine AWS-Produktpräsentation im IoT Umfeld sowie viele Kundenpräsentationen, etwa von Mann + Hummel, Kuka, Kärcher, Vorwerk, Wago, Diehl und der Roth Gruppe. Top-Manager von Kuka und Siemens MindSphere beteiligen sich an Paneldiskussionen am AWS-Stand.

"Unsere Vison geht weit über die Bereitstellung von Cloud-Diensten hinaus", begründet Jan Metzner die große Menge der AWS-Partner und Anwender am Stand. "Und wir sehen uns auch nicht in Konkurrenz zu anderen Cloud-Anbietern. Die Bosch IoT Suite oder Siemens MindSphere etwa laufen unter anderem auf AWS. Zwei Drittel der DAX-30-Unternehmen setzen auf unsere Lösungen." Metzner: "Der Markt für Cloud-Services ist so groß, dass sich alle Anbieter entfalten können. Die Anwender fangen gerade erst an zu erkennen, wie gigantisch ihre Möglichkeiten im IoT sind."

Am Beispiel von Predictive Maintenance, Energiedatenmanagement und Ressourcenoptimierung demonstriert Siemens in Halle 9 (Stand D35), wozu sein cloudbasiertes offenes IoT-Betriebssystem MindSphere fähig ist. Die PaaS-Entwicklungsumgebung setzt auf offene Schnittstellen und übergreifende M2M-Standards wie OPC UA, sodass Anwenderunternehmen eigene Applikationen oder Services passgenau aufsetzen und Maschinenbauer neue Geschäftsmodelle etablieren können.

Dass Siemens auf AWS setzt und unlängst eine strategische Partnerschaft mit der Software AG vereinbart hat, die wiederum an Adamos beteiligt ist, drückt eine aktuelle Entwicklung aus: Um dem Ruf nach einem übersichtlicheren Markt für IoT-Betriebssysteme und reibungslose Interoperabilität zu begegnen, formen sich derzeit starke Allianzen. Prof. Dr. Thomas Bauernhansl vom Stuttgarter Fraunhofer IPA (Halle 17, Stand C24) nennt diesen Ansatz "Platform as Operating System". Er erwartet, dass verschiedene Plattformen in den nächsten Jahren gemeinsam Softwareoberflächen entwickeln und verkaufen werden.

Die Unternehmensberatung Accenture stellt jedenfalls dringenden Handlungsbedarf auf dem Weg in die Industrie 4.0 fest: "Die deutsche Industrie digitalisiert – hat davon aber noch nicht viel", lautet die Essenz ihrer jüngsten Top500-Studie. Demzufolge verdienen mittelständische Unternehmen mit Digitalisierung noch kein Geld – ein Nachteil im Wettbewerb mit großen Internetkonzernen. "Smart Factories sind gut, aber nicht gut genug", erklärt Accenture-Deutschland-Geschäftsführer Frank Riemensperger. In Hannover (Halle 6, H46) will die Unternehmensberatung deshalb zeigen, wie der Einstieg ins Digitalgeschäft gelingen könnte: Bei den Best Practices und Lösungen rund um Smart Products und Smart Services für die Industrie stehen IoT-Plattformen im Fokus, aber auch Künstliche Intelligenz und Digital Twins.

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