Anzeige
HANNOVER MESSE 2018, 23. - 27. April
Wechseln zu:
Integrated Energy

So steht es um die Wasserstoff-Infrastruktur

Damit wasserstoffbetriebene Fahrzeuge die breite Masse erreichen, müssen zunächst die entsprechenden Tankstellen stehen. Die verantwortlichen Initiativen und Unternehmen liegen hinten im Zeitplan – doch ihre Pläne sind ambitioniert.

26.04.2016
hydrogen

Vor wenigen Wochen erst hat Tesla sein Model 3 vorgestellt – das Auto, das E-Mobilität nach der Einschätzung von Branchenexperten in der breiten Masse etablieren könnte. Aber wer über Antriebe durch regenerative Energien spricht, sollte den Wasserstoff nicht vergessen. Im Public Forum Wasserstoff + Brennstoffzellen + Batterien diskutierten heute die Wegbereiter der H2-Infrastruktur in Deutschland über die aktuelle Lage.

Die Letzten werden die Ersten sein?

Im Juni 2012 hatten Politik und Unternehmen der Automobil-, Gas- und Mineralölindustrie ein klares Ziel vorgegeben: Bis 2015 sollten deutschlandweit 50 Wasserstoff-Tankstellen stehen. Heute sind es 20. Thomas Brachmann sieht darin kein Problem. Für den Chief Project Engineer Automobile Engineering & Research bei Honda R & D Europe geht es vielmehr um die Selbstverpflichtung aller Partner – nicht um starre Quoten. "Zufriedene Kunden sind wichtiger als eine hohe Ausbaugeschwindigkeit", so Brachmann. Honda selbst setzt seine Wasserstofffahrzeuge – auch wegen der dort besser ausgebauten Infrastruktur – vor allem in Kalifornien ab. Europe steht erst an dritter Stelle der wichtigsten Märkte.

Manfred Becker von Shell Deutschland Oil sieht dem Ausbau der Tankstellen ohnehin optimistisch entgegen. "Das Tempo zieht an." Shell will seine bestehenden Tankstellen ausbauen, aber auch eigene Stationen für Wasserstoffbetankung errichten. Dazu beteiligt sich das Unternehmen mit zahlreichen anderen an der Initiative H2 Mobility . Sie will deutschlandweit eine flächendeckende Wasserstoffmobilität erreichen. Laut Managing Director Frank Sreball dürfte das bis 2023 geschafft sein – dann müssten 400 Tankstellen stehen, in Deutschland und den angrenzenden Regionen. Wie soll das gehen?

Wettbewerb der Energien

"Es ist wie beim Bau eines Hochhauses", sagt Sreball. "Das Fundament ist mit Abstand am aufwändigsten zu errichten. Die folgenden Stockwerke gehen schnell." Bis 2018 soll die Zwischenmarke von 100 Stationen erreicht sein.

Aber warum überhaupt auf Wasserstoff setzen, wenn die Elektromobilität derzeit im Trend liegt? Sreball führt mehrere Argumente an: eine höhere Reichweite und vor allem das bequemere und schnellere Auftanken. "Wir sind die normalen Tankstellen einfach gewohnt und fahren gut damit."

An H2 Mobility ist auch die Linde AG maßgeblich beteiligt. Für den Verantwortlichen Markus Bachmeier ist die Zukunft klar: "Wir investieren in die Wasserstoff-Infrastruktur, weil sie langfristig lohnenswert ist – im Gegensatz zu E-Mobility." Das Geschäftsmodell müsse einfach profitabel sein, damit die Infrastrukturen nicht nur errichtet, sondern auch dauerhaft betrieben und gewartet werden können. "Niemand will staatliche Subventionen über Jahrzehnte hinweg", so Bachmeier.

Die Linde AG hat inzwischen einen ganzen Fuhrpark an Wasserstoff-Fahrzeugen angeschafft. Über ein Carsharing-Modell sollen damit Endverbraucher für das H2-Auto begeistert werden. Auf der HANNOVER MESSE können Besucher gleich einmal Probe fahren: auf dem Freigelände vor Halle 27.

Anzeige