Deutsche Industrie vergisst ihre Konjunktursorgen
Hannover (dapd). Pünktlich zur wichtigsten Industriemesse der Welt präsentiert sich die deutsche Wirtschaft voller Zuversicht. Die Elektroindustrie erwartet einen Umsatzrekord, der Maschinenbau glaubt die Wachstumsdelle im ersten Halbjahr schon fast überwunden. Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) teilte am Montag auf der Hannover Messe mit, er erwarte dieses Jahr ein Wirtschaftswachstum von einem Prozent - also mehr als von Bundesregierung und den meisten Forschern angenommen. "Wir halten einen Zuwachs des Bruttoinlandsproduktes von einem Prozent und eine Eins vor dem Komma für erreichbar", sagte BDI-Präsident Hans-Peter Keitel. Voraussetzung sei allerdings, dass krisenhafte Zuspitzungen an den Finanzmärkten ausblieben und es von der Politik keine weiteren Belastungen für Unternehmen gebe. Der Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI) rechnet nach eigenen Angaben dieses Jahr sogar mit einem preisbereinigten Wachstum der Produktion von fünf Prozent. "Wir erwarten, dass wir dieses Jahr einen Branchenumsatz von 185 Milliarden Euro haben und damit über dem Niveau unserer Spitzenjahre 2007 und 2008 von jeweils 182 Milliarden Euro liegen", sagte ZVEI-Präsident Friedhelm Loh. Bei einer Konjunkturumfrage gingen 93 Prozent der Unternehmen des Verbandes von weiter steigenden Erlösen aus. Die Bedeutung Chinas, des Partnerlandes der diesjährigen Hannover Messe, für die Elektroindustrie soll Loh zufolge weiter zunehmen. China als Absatzmarkt könnte in diesem Jahr vor den USA und Frankreich liegen. Die deutsche Elektrotechnik-Branche fühlt sich für den weltweiten Konkurrenzkampf trotz der Aufholjagd der Schwellenländer gut gerüstet. In vielen umsatzstarken Sparten wie Automation, Medizin- und Elektrotechnik oder bei intelligenten Stromnetzen seien die heimischen Unternehmen führend, erklärte der Verband der Elektrotechnik (VDE) auf Grundlage einer Umfrage. Der deutsche Maschinenbau ist nicht ganz so optimistisch wie die Elektroindustrie, rechnet nach einer Wachstumsdelle zu Jahresbeginn aber mit einem deutlich stärkeren zweiten Halbjahr. Der Bestelleingang dürfte "bei tendenziell freundlicherem Klima spätestens zur Jahresmitte hin wieder auf Wachstumskurs einschwenken", erklärte der Präsident des Maschinenbauverbands VDMA, Thomas Lindner. Er bestätigte seine Prognose, wonach es über das Gesamtjahr gesehen zu einem Nullwachstum bei der deutschen Vorzeigebranche kommen werde. Im Januar und Februar lagen demnach die Auftragseingänge um elf Prozent unter dem Vorjahreswert. Die Beschäftigung war davon nicht berührt: Die Branche schuf seit Dezember 14.000 neue Jobs und beschäftigte zum Februar 962.000 Menschen. Anders als in früheren Jahren werde es keinen Wachstumsbeitrag des Außenhandels geben, sagte BDI-Präsident Keitel weiter. Die Binnennachfrage werde aber stark bleiben, und es kämen Bauaufträge und Investitionen der Unternehmen hinzu. dapd


