In Deutschland fertigen laut Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI) rund 130 Unternehmen mit 45.000 Beschäftigten Komponenten und Systeme der elektrischen Antriebstechnik. Sie bedienen damit ein Drittel des weltweiten Bedarfs an Elektromotoren. Im Jahr 2011 verzeichneten die deutschen Hersteller elektrischer Antriebe einen Anstieg des Umsatzes um 17 Prozent auf 10,4 Milliarden Euro. Insbesondere der unerwartete Nachfrageboom im Geschäft mit Industriemotoren und Frequenzumrichtern habe für den Aufschwung gesorgt, so Günter Baumüller, stellvertretender Vorsitzender des Fachbereichs Elektrische Antriebe des ZVEI-Fachverbands Automation im Dezember. Die Lage der elektrischen Antriebstechnik bilde im Wesentlichen die Situation der Hauptabnehmerbranchen Maschinenbau und Automobilindustrie ab. "Die Indikatoren zeigen, dass wir auf Sicht von sechs Monaten mit einem weiteren leichten Aufwärtstrend für die Antriebstechnik rechnen können", so Baumüller. "Wir sind nicht mehr euphorisch, aber die Tendenz ist weiterhin positiv. Für 2012 erwarten wir für die Produktion ein Plus von mindestens fünf Prozent."
Das Thema Energieeffizienz dominiert dabei das Neugeschäft: Seit Mitte 2011 dürfen in der EU nur noch Elektromotoren der Energieeffizienzklasse IE2 verkauft werden. Mit der ersten Stufe der europäischen Motorenverordnung möchte die Europäische Kommission eine nachhaltige CO2-Reduktion bei energiebetriebenen Produkten erreichen. Nach ZVEI-Schätzungen könnten durch energieeffiziente Motoren und elektronische Drehzahlregelungen allein in Deutschland pro Jahr 38 Milliarden Kilowattstunden Strom eingespart werden, etwa in Pumpen, Ventilatoren, Kompressoren oder Transportbändern. Nach dieser ersten Stufe kommen noch strengere Anforderungen auf die Branche zu: Ab 2015 ist die Energieeffizienzklasse IE3 Pflicht.
"Die Motorenverordnung ist erst der Anfang einer Reihe strenger ordnungspolitischer Vorgaben für Antriebe und deren Anwendungen, die zunehmend komplexer werden und auch in Systeme und Prozesse eingreifen", erklärt Günter Baumüller vom ZVEI. Deshalb bestimmt das Thema auch die HANNOVER MESSE 2012. Auf den Leitmessen Industrial Automation, Digital Factory, Energy, Research & Technology, CoilTechnica, Industrial Supply, IndustrialGreenTec und MobiliTec dreht sich auffallend viel um die Produktion und den Einsatz energieeffizienter Antriebe. "GreenTelligence" ist das diesjährige Top-Thema.
Wobei ein weiterer Trend deutlich wird: Zunehmend bieten die Unternehmen der Antriebstechnik Komponenten und Systeme für die Industrieautomation an. Die HANNOVER MESSE 2012 trägt dieser Entwicklung mit einem neuen Ausstellungsbereich in Halle 17 Rechnung: Weil immer mehr Unternehmen der elektrischen Antriebstechnik im Rahmen der Industrial Automation ausstellten, wurde ein eigener Bereich für Komponenten der Automatisierungstechnik aus der Antriebs- und Fluidtechnik geschaffen. Zu den Schwerpunkten der Halle 17 gehören damit in diesem Jahr Pneumatik, Lineartechnik, Getriebemotoren und deren Zuliefererkomponenten sowie elektrische Antriebskomponenten.