Wo sollen die Stromtrassen der Zukunft verlaufen? Wie viele müssen es überhaupt sein? Um diese Fragen zu beantworten, ermittelt die Bundesnetzagentur zurzeit, wo und welche Kraftwerke bis 2022 in Deutschland gebaut werden. Ein erstes überraschendes Ergebnis dieses "Szenariorahmens Netzausbau" liegt schon vor. Danach könnte der Anteil erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung in zehn Jahren deutlich höher sein als bisher angenommen. "Nach einer ersten Abschätzung wird der Anteil der erneuerbaren Energien am Nettostromverbrauch bis 2022 bei etwa 50 Prozent liegen", erklärte eine Sprecherin der Netzagentur gegenüber der Tageszeitung "taz". Die Gesetzentwürfe der Bundesregierung nach dem Atomausstieg gingen bislang davon aus, dass erst im Jahr 2030 die Hälfte des deutschen Stroms aus regenerativer Energie stammen wird.
Drei Szenarien mit unterschiedlichem Zubau erneuerbarer Energien hat die Bundesnetzagentur durchgerechnet. Dem wahrscheinlichsten zufolge wächst vor allem die Windkraft an Land schneller als erwartet. „Für die Nutzung der Windenergie an Land gibt es vor allem in den süddeutschen Ländern großen Nachholbedarf“, erklärt Björn Klusmann, Geschäftsführer des Bundesverbandes Erneuerbare Energie e.V. (BEE).
Die HANNOVER MESSE trägt der Entwicklung Rechnung, indem sie ihren "Themenpark Renewables" 2012 weiter ausbaut. "Viele führende Windanlagenhersteller werden hier im April präsent sein", sagt Oliver Frese, Geschäftsbereichsleiter HANNOVER MESSE. Fachlich begleitet wird der Themenpark der Leitmesse Energy durch das "Forum Erneuerbare Energien", das Branchenentwicklungen, Technologietrends, Finanzierungskonzepte und politische Rahmenbedingungen behandelt.
Ein Thema des Forums wird die Zukunft der Antriebstechnologien der Windkraft sein, die sich zurzeit an einer technologischen Weggabelung befinden. Wie etwa auf der jüngsten Windenergiekonferenz EWEA Offshore in Amsterdam (29.11. bis 01.12.2011) deutlich wurde, haben Offshore-Rotoren zunehmend höhere Blattspitzengeschwindigkeiten als Onshore-Anlagen und ihre Blätter eine andere Struktur. Denn Windenergieanlagen auf See müssen keine Schallgrenzen beachten. Die Antriebskonzepte für See und Land sind deshalb nicht mehr identisch – reine Offshore-Anlagen entstehen. "Die Verbindung von On- und Offshore ist gekappt", stellte Timothy Camp vom Zertifizierungsinstitut GL Garrad Hassan auf der Konferenz fest. "Bei großen Anlagen ab sechs MW Leistung könnten die Turbinenbauer nicht mehr mit einer Aufstellung an Land rechnen."