Elektrofahrzeuge - im Grunde sind sie ein alter Hut. Das erste deutsche Elektrofahrzeug baute 1888 die Coburger Maschinenfabrik A. Flocken. Zu Ferdinand Porsches frühesten Würfen gehörte im Jahr 1899 ein Hybridfahrzeug. Zu diesem Zeitpunkt waren 38 Prozent aller Automobile in den USA Elektrowagen. Dann aber trat der Verbrennungsmotor seinen Siegeszug an und verdrängte den E-Antrieb von der Straße.
In Deutschland haben Elektrofahrzeuge bis heute Akzeptanzprobleme. Eine Studie des CAR Center Automotive Research der Universität Duisburg-Essen ergab: In den ersten elf Monaten des Jahres 2011 wurden hierzulande nur 1.808 Elektrofahrzeuge neu zugelassen, die meisten davon gewerblich. Ganze 101 E-Vehikel wurden von Privatkunden gekauft. Ob die Bundesregierung ihr Ziel erreicht, bis zum Jahr 2020 eine Million Elektrofahrzeuge über Deutschlands Straßen fahren zu lassen, ist angesichts solcher Zahlen fraglich.
In anderen Ländern zeichnet sich der Trend zum E-Antrieb deutlicher ab: 2011 wurden weltweit rund 50.000 Elektrofahrzeuge verkauft, besonders viele davon in den USA. "Die Elektrifizierung der Antriebe hat längst begonnen und ist fester Bestandteil der Getriebe-und Antriebswelt", stellte deshalb im Dezember Prof. Dr.-Ing. Ferit Küçükay von der TU Braunschweig fest. Bezogen auf den "europäischen Fahrzyklus" sei der so genannte "Tank-to-Wheel"-Wirkungsgrad eines konventionellen Antriebs mit Verbrennungsmotor im Vergleich zum "Battery-to-Wheel"-Wirkungsgrad eines Elektroantriebs etwa um den Faktor drei schlechter. Dieser Vorteil von Elektrofahrzeugen bei Energieverbrauch und CO2-Emissionen sei besonders für die umweltfreundliche Verkehrsgestaltung in den Megacitiys wichtig, so Küçükay auf dem CTI Symposium in Berlin.
Elektrofahrzeuge können bis 2030 einen weltweiten Marktanteil von zehn Prozent erreichen, schätzten 44,1 Prozent der Teilnehmer einer Befragung im Rahmen des Symposiums. Ein Viertel der rund 400 dort befragten Experten rechnet schon 2025 damit. Der Zulieferer Bosch erwartet für 2020 weltweit rund drei Millionen Elektrofahrzeuge und Plug-in-Hybride sowie etwa sechs Millionen Hybridfahrzeuge bei 103 Millionen neu produzierten Fahrzeugen. Ab dem Jahr 2025 würden elektrifizierte Antriebe so stark zunehmen, dass ein merklicher Rückgang der Fahrzeuge erkennbar sein werde, die ausschließlich mit Verbrennern angetrieben werden. "Spätestens dann wird das Zeitalter der Elektromobilität beginnen", so die Bosch-Prognose. Zusammen mit der Daimler AG treibt Bosch die Entwicklung von Elektrofahrzeugen voran. Südlich von Hannover, in Hildesheim, entsteht dafür eine eigene Firma.
Auch die Politik macht weiter Druck: Mit der neuen Forschungsinitiative "ATEM - Antriebstechnologien für die Elektromobilität" versucht das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie die Verbreitung von Fahrzeugen mit elektrifizierten Antriebssträngen zu beschleunigen. Sogar im Motorsport hält der elektrifizierte Antriebsstrang Einzug: In der Formel I werden Hybridantriebe schon seit 2009 eingesetzt; für 2013 hat die FIA eine eigene Rennserie für E-Fahrzeuge angekündigt.
China plant bis 2020 fünf Millionen Elektroautos auf die Straße zu bringen. In 25 chinesischen Pilotstädten wird die E-Mobilität bereits erprobt - auf der HANNOVER MESSE wird das diesjährige Partnerland voraussichtlich entsprechende Projekte präsentieren (Halle 6). Außerdem gehört die Elektrifizierung des Antriebsstrangs zu den zentralen Themen der Leitmesse Research & Technology (Halle 2) sowie der MobiliTec mit dem MobiliTec Anwenderforum und dem E-MOTIVE Gemeinschaftsstand der Forschungsvereinigung Antriebstechnik e.V. im VDMA-Forum Elektromobilität (alles in Halle 25).