Die Eigenschaften mancher Gewebe klingen, als kämen sie direkt aus einem Märchenbuch: die von der NASA entwickelten Phasenwechselmaterialien zum Beispiel. Sie nutzen die Gesetze der Thermodynamik und Millionen mikroverkapselter Paraffine. Diese schmelzen bei Hitze und entziehen ihrer Umgebung dabei Wärme - sie kühlen also. Bei Kälte funktionieren sie genau andersherum: Die Flüssigkeit erstarrt und setzt Wärme frei. Über den Schmelzpunkt lässt sich sogar die Temperatur einstellen - auf den Grad genau. Unglaublich, aber seit 1992 Wirklichkeit.
Laut Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) machen technische Textilien bereits heute über 50 Prozent der deutschen Textilproduktion aus. Und die Wachstumsraten können sich sehen lassen: Sie liegen in einigen Bereichen bei über zehn Prozent. Und es gibt fast keine Branche, in denen die Techno-Stoffe nicht vorkommen. Automotive, Luftfahrt, Medizin- und Umwelttechnik und Architektur – in vielen Branchen weiß man inzwischen Flexibilität, geringes Flächengewicht, Atmungsaktivität, Witterungsbeständigkeit und extreme mechanische Belastbarkeit der Hightech-Gewebe zu schätzen. Doch ihr Potenzial für industrielle Anwendungen ist noch lange nicht ausgeschöpft. Deutschland hat in diesem Bereich bereits eine Pole-Position in Europa und soll sie laut BMBF weiter ausbauen. Zum Beispiel durch den Einsatz von Nano- und Sensortechnologien. Aus diesem Grund fördert die Bundesregierung Technische Textilien im Rahmen des Programms "Werkstoffinnovationen für Industrie und Gesellschaft", kurz: WING.
Auf der HANNOVER MESSE zeigt der Themenstand Textile Solutions im Rahmen der Leitmesse Research & Technology, welche faszinierenden Möglichkeiten in modernen Textilien stecken. Aussteller erklären hier anhand praktischer Beispiele, wozu die Hightech-Fasern fähig sind, die so gar nichts mehr mit bunten Hemden und Plastikkrawatten vergangener Tage gemeinsam haben.