Zehn Prozent des weltweiten Handels sind von Produktfälschungen betroffen, schätzt die Internationale Handelskammer (ICC) in einer 2011 veröffentlichten Studie. Danach lagen die negativen gesamtwirtschaftlichen Effekte mit Steuerausfällen, Strafverfolgungskosten oder dem Ausfall von Investitionen in den G-20-Ländern allein im Jahr 2008 bei 125 Milliarden US-Dollar.
"Die Angriffe auf Produkte und Know-how können sehr unterschiedlich sein. Daher müssen Unternehmen ihre Schutzmaßnahmen auf die entsprechenden Angriffsszenarien abstimmen", mahnt die Fraunhofer-Einrichtung für Angewandte und Integrierte Sicherheit AISEC in einer aktuellen Studie zum Produktschutz. "Durch moderne Verfahren zum Reverse Engineering, also dem Nachvollziehen des technischen Aufbaus innovativer Produkte, stehen Produktpiraten ausgefeilte Methoden und Werkzeuge für die Systemanalyse, Manipulationen und den Produktnachbau zur Verfügung", so Bartol Filipovic, einer der Autoren der AISEC-Studie. Allerdings sei der Kampf keineswegs so aussichtslos und kostenintensiv, wie oft vermutet werde. Und die Palette der organisatorischen, rechtlichen oder technologischen Schutzmaßnahmen sei groß: So könnten Unternehmen den Zugang zu Know-how sowie die Lieferkette von Produkten regulieren, ihre Markenrechte juristisch schützen und durchsetzen sowie ihre IT- und Kommunikationsinfrastruktur gegen Angriffen abschirmen.
Die zunehmende Nutzung der Cloud und mobiler Anwendungen macht es nicht leichter, geistiges Eigentum im digitalen Workflow zu schützen. Doch auch die Technologien dafür werden ausgefeilter.
So stehen zum technischen Produktschutz heute so unterschiedliche Mittel wie RFID, Hologramme, VOID-Folien, digitale Wasserzeichen, Mikrofarbcodes, Datamatrix oder teilverdeckte Mehrkörper-Co-Simulation zur Verfügung.
Zudem wurde das Digital Rights Management (DRM), das ursprünglich Audio- und Videodateien vor Raubkopien schützen sollte, zum Enterprise Rights Management (ERM) weiterentwickelt: Nicht autorisierte Benutzer können mit ERM geschützte E-Mails oder Dateien weder lesen noch kopieren oder weiterleiten.
Neue Verfahren zum technischen Produktschutz sowie ERM-Lösungen werden in Hannover u.a. auf der Leitmesse Digital Factory vorgestellt. Auch auf der Research & Technology sowie in den Sonderbereichen Industrial IT und Identification, Tracking & Tracing der Industrial Automation spielen IT-Security und Produktschutz zentrale Rollen.