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HANNOVER MESSE 2020, 20. - 24. April
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Industrial Pioneers

Das neue Backbone

Dr. Frank Sroka ist Maschinenbauingenieur und verantwortet die 5G-Einführung im Osram-Werk Schwabmünchen bei Augsburg. Für ihn ist 5G mehr als eine neue Frequenz. Es ist die Chance, Transport- und Produktionsprozesse neu zu denken – auch für Dienstleister.

Der 12. März 2019 war ein wichtiger Tag für die Industrie. „Großes Potenzial für 5G liegt insbesondere auch im industriellen Bereich. Wir wollen deswegen Frequenzen zur Verfügung stellen, mit denen lokale Netze genau nach dem Bedarf der Unternehmen aufgebaut werden können. Dies ist ein wesentlicher Beitrag auf dem Weg zur Industrie 4.0“, erklärte damals Jochen Homann, Präsident der Bundesnetzagentur in Bonn. Monatelang hatten sich Verbände für Campusnetze stark gemacht.

In Schwabmünchen bei Augsburg ging die Meldung an vielen Osram-Mitarbeitern wohl vorbei. Der 12. März war für sie im Osram-Werk ein ganz normaler Arbeitstag ‒ mit 5G-Infrastruktur. Was man von außen nicht sieht: „Schwabmünchen ist ein vergleichsweise kleines Werk mit 320 Mitarbeitern, aber ein Hightech-Standort“, erklärt Dr. Frank Sroka. Er ist verantwortlich für das Industrie- 4.0-Programm von Osram und damit auch für den neuen Kommunikationsstandard. Und auch an ihm ging die Meldung vom 12. März vorbei. Denn er und seine Kollegen arbeiten schon an 5G-Anwendungen.

5G forciert neue Prozesse

Das Osram-Werk verfügt über eines der ersten Campus-Netze in Deutschland und ist mit seiner Größe auch ein Vorbild für den Mittelstand. Gemeinsam mit der Telekom errichteten die Osram-Mitarbeiter das neue Netz. Eine Basis-Station mit Indoor- und Outdoorantennen wurde installiert und die Komponenten des fahrerlosen Transportsystems bekamen eine SIM-Karte. „Wir haben darüber hinaus mit Partnern neue Software für die Maschinen und Transportsysteme entwickelt“, erklärt der Maschinenbauingenieur Sroka. Im Moment funkt 5G noch in 4G-Prozessen, in denen der Mensch schnell bei Problemen einspringen kann ‒ im Warentransport beispielsweise. Von eher unkritischen Bereichen sprechen die Verantwortlichen. Man arbeite gerade an Service-Level-Agreements und Reaktionszeiten von Dienstleistern.

„Die Sicherheit brauchen wir, wenn 5G werksweit ausgerollt wird und wir wollen uns auf das Kerngeschäft konzentrieren“, fasst Sroka zusammen, denn der neue Funkstandard verspricht nicht nur einen schnelleren Datenaustausch.

Wir stellen mit 5G auch unsere Prozesse komplett um.

Dr. Frank Sroka

5G wird das IT-Backbone bei Osram.

Für Sroka und sein Team fußt die Digitalisierung der Werke auf einem Stufenmodell: Visualisierung von bestehenden Abläufen, Analyse von Daten und im letzten Schritt die eigentliche Prozessoptimierung. „Das können wir nur dank neuer technischer Möglichkeiten“, berichtet Sroka und verweist auf zwei Beispiele aus der Praxis. Die Mitarbeiter in der Produktion wurden in den letzten Monaten mit Telefonen ausgestattet und die Maschinen schicken Meldungen auf die Geräte. Der Mitarbeiter entscheidet dann, wie er mit den Aufgaben umgehen will: annehmen, weiterleiten oder eskalieren? „In der Vergangenheit waren die Kolleginnen und Kollegen den Maschinen fest zugeordnet. Unsere autonome Telefonzentrale schafft mehr Serviceorientierung und damit einen betriebswirtschaftlichen Mehrwert“, ist Sroka stolz.

Dienstleister bekommen Zugang

Noch einen Schritt weiter gehen die Osram-Ingenieure bei dem Thema fahrerlose Transportsysteme (FTS) ‒ mit SIM-Karte. „Wir verwalten dank 5G die Steuerung und die Navigation der FTS zentral. Das Computing der Flotte liefert uns mehr Daten, die mit KI-Methoden analysiert werden können“, blickt Sroka in die nahe Zukunft. Datamapping und neue Zustellkonzepte, die Auswirkungen auf die gesamte Supply Chain haben, sind dadurch möglich.

Dazu kommt: Osram kann durch die zentrale Steuerung unterschiedliche FTS-Anbieter einbinden und ist dadurch herstellerunabhängig. Und: Die Systeme werden günstiger, denn die Intelligenz der Steuerung liegt zentral bei den Werken. Kommt dann im letzten Schritt die SPS aus der Cloud? „Da reden wir über Latenzzeiten. Eine Millisekunde reicht noch nicht aus.“ Doch das Osram-Team sieht trotzdem noch weitere Anwendungen. „Datenbrillen sind bei uns ein Thema, da uns jetzt höhere Datenvolumina zur Verfügung stehen. Auch bei Testständen zahlt sich der neue Funkstandard aus. Wir entwickeln gerade eine Bildverarbeitungssoftware, die in den Maschinen installiert wird. Die Datenauswertung läuft in Zukunft zentral über das Edge-Computing, um so zusammenhängende Analysen zu fahren ‒ werksübergreifendes Machine Learning.“

Stichwort übergreifend – bekommen externe Maschineninstandhalter Zugang zum 5G-Netz? „Ja, Osram verfügt über einen privaten für sensible Daten und einen öffentlichen Slice. Das war uns von Anfang an sehr wichtig“, bestätigt Sroka.

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