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HANNOVER MESSE 2020, 20. - 24. April
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Sophia Hatzelmann

Nichts passiert

Sophia Hatzelmann ist Diplom-Ingenieurin für Elektrotechnik, Unternehmerin und ein Vorbild. Aber sie zweifelt – nicht an sich selbst, aber an ihrem Engagement für mehr Frauen in MINT-Berufen und mehr Studentinnen in Elektrotechnik, im Maschinenbau und in der Verfahrenstechnik.

„Es hat sich nichts getan. Unsere Initiativen haben kaum Erfolg“, erklärt die Engineer Powerwoman 2018 – ein Titel, der sie stolz macht, denn „es ist kein Genderpreis, sondern ein Preis, der meine Leistungen als Ingenieurin und Unternehmerin würdigt – eben kein Social-Media-Abstimmungs-Herzchen-Contest“. Das ist der Ingenieurin wichtig.

Die Entwicklung der Studierendenzahlen frustriert sie. „Ich hinterfrage gerade mich und meine Arbeit, denn in absoluten Zahlen haben wir einen Zugewinn, aber relativ steht da eine Null“, klagt sie. Dabei braucht sie und brauchen viele ihrer Kunden ­weibliche Mitarbeiter.

„Unsere Kunden fragen ganz bewusst weibliche Projektleiter an, weil diese mit ‚geliehener Macht‘ gut umgehen und Menschen in Projekten oft besser führen und zusammenbringen können.“

Sophia Hatzelmann, Gründerin einer technischen Unternehmensberatung

„Unsere Kolleginnen werden meist einmal von den Projektmitgliedern getestet, ob sie die Kompetenz haben, dann herrscht Ruhe in den Teams“, lacht Hatzelmann. Das sei bei männlichen Teams oft anders – ein andauernder Wettbewerb eben.

„Das schadet dem Projekterfolg.“ Ihr Team besteht aus vielen Ingenieurinnen, „aber selbstverständlich auch aus sehr qualifizierten Männern“. Was unterscheidet beide Geschlechter im Technikberuf? „Ich will nicht verallgemeinern, aber meine Beobachtung ist, dass Männer sich zum Beispiel für einen Bagger an sich und die technischen Details interessieren. Frauen haben den Fokus darauf, was man mit dem Bagger machen kann. Technik um der Technik willen funktioniert heute nicht mehr.“

Trotzdem erlebt sie diese Denke oft noch bei ihren Kunden aus dem Mittelstand. „Viele kaufen sich ein Tool und sind frustriert, wenn es nicht die richtigen Ergebnisse liefert. Doch sollte vor jedem Software-Tool ein guter Prozess stehen. Damit fängt es an, muss es anfangen“, mahnt Hatzelmann. Ihrer Meinung nach ist es vor allem die zweite Führungsebene im Mittelstand, die ausprobiert, testet, in der es rumort und die der Geschäftsführung und den Inhabern „Druck“ macht, mit der Digitalisierung der Prozesse und der Fertigung zu starten.

„Was auf uns zukommt, weiß keiner, aber alle wissen, dass etwas passieren muss“,

berichtet Hatzelmann aus Gesprächen mit Kunden aus dem Mittelstand, den klassischen KMUs.

Doch die Rückschlüsse sind oft die falschen. „Neben den Dimensionen Kosten und Nutzen kommt auch noch der Plattform-Aspekt dazu. Das verstehen die meisten Unternehmen noch nicht“, erklärt die Unternehmerin.

Was also tun? „Aufräumen. Aber das tun viele Menschen und auch Unternehmer nur ungern. Die Prozesseffizienz zu verbessern, ist der erste Schritt, aber das kann schmerzhaft sein. Man muss sich von lieb gewonnenen Dingen vielleicht trennen.“ Und dann folgt die Frage nach dem Geschäftsmodell – Stärken-und-Schwächen-­Analyse, Plattformdimension und Tests. Testen? „Ja, die Ideen beim Kunden ausprobieren fällt vielen schwer.“

Das Problem: Die Unternehmen seien an diesem Punkt schon zu verliebt in ihre Idee. Kritik vom Kunden verhallt. Warum? „Weil die Firmen oft nicht strukturiert herangehen.“ An diesem Punkt sieht die Ingenieurin für technische Unternehmensberatungen einen Ansatz. „Im Vorfeld bei den Geschäftsmodellen sind wir oft Katalysator. Beim Test wird es richtig spannend. Dann testen wir gemeinsam mit dem Kunden in der Zielgruppe die Idee unseres Kunden und entwickeln sie gemeinsam weiter.“

Mit den Kunden arbeiten könnten in Zukunft auch Quereinsteigerinnen, zum Beispiel Frauen Mitte 40, die zuvor Kinder erzogen haben und in einen Technikberuf umgeschult wurden. „Wir müssen neu denken, wenn wir mehr Frauen in technischen Berufen haben wollen.“ Hatzelmann will Frauen qualifizieren – „nicht eine komplett neue Ausbildung, nicht verschult, sondern praktisch in den Unternehmen.“ Unternehmen müssen gezielt Fähigkeiten ihrer Mitarbeiter analysieren und fördern. Mit Anfang 40 habe man noch mehr als das halbe Berufsleben vor sich. Da müsse man nochmal was Neues wagen.

„Wer Kinder erzogen, Eltern gepflegt oder eine Familie gemanagt hat, der hat Social Skills, von denen wir bei Absolventen oft nur träumen können.“

Sophia Hatzelmann

Außerdem schaffe das wieder Vorbilder für die Kinder, wenn die Mutter mit über 40 Jahren beispielsweise noch eine Programmiersprache lernt und Apps für eine Maschinenbauplattform entwickelt. „Dafür will ich mich engagieren.“

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