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HANNOVER MESSE 2020, 20. - 24. April
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Enrico Iversen

Roboter statt Ruhestand

Enrico Krog Iversen erreicht man telefonisch am besten im Auto. Der Gründer von OnRobot reist viel, muss viel reisen, denn er will mit seinen neuen Greifern und Sensoren den wachsenden Cobot-Markt erobern. Sein Vorteil: Die Robotikbauer, die er besucht, kennen ihn als Wettbewerber.

Eigentlich hätte sich Iversen nach dem Verkauf seiner Anteile von Universal Robots irgendwo an ein schönes Fleckchen in Dänemark zurückziehen, das Leben genießen und stressige Messen hinter sich lassen können. Doch er entschied sich dagegen, investierte sein Geld in junge Firmen und formte aus drei eigenständigen Firmen eine – OnRobot.

„In der Robotikwelt gibt es noch sehr viele neue Geschäftsmodelle zu entdecken.“

Enrico Iversen, Gründer von OnRobot

Sein neues heißt Plug-and-Play-Greifer und -Sensoren für Cobots, die ohne Programmierung sofort mit den Cobots arbeiten können. Die Fachwelt wartete gespannt.

Die drei Unternehmen im Detail: OnRobot stellt die Plug-and-Play-Elektrogreifer RG2 und RG6 her. Sie sind sehr flexibel und können über die gleiche Schnittstelle wie der Roboter programmiert und bedient werden, ohne dass Programmierer benötigt werden, heißt es. OptoForce stellt Kraft-/Drehmomentsensoren her, die Industrie­robotern Tastsinn verleihen. So können sie Aufgaben automatisieren, die normalerweise die Geschicklichkeit einer menschlichen Hand erfordern. Perception Robotics entwickelt nachgiebige Gummi-Tastsensoren, um Roboter mit einem Berührungssinn und Automatisierungssysteme mit robusten Material-Handhabungsfunktionen auszustatten. Alle drei Unternehmen firmieren jetzt unter OnRobot.

„Cobots haben wir jetzt in der Industrie, in den Werkshallen. Aber es braucht Greifer und Sensoren für die Anwendungen.“

Enroco Iversen

Das Ziel von Iversen und seinen Mitstreitern: Cobots sollen mehrere Aufgaben übernehmen können und die Roboterarme sollen schnell umzurüsten sein, möglichst ohne zusätzlichen Programmieraufwand.

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Enrico Iversen, Gründer von OnRobot

Kollaborative Roboter, die in Anwendungen wie Verpackung, Qualitätsprüfung, Materialhandling, Maschinenbedienung, Montage und Schweißen sicher neben dem Menschen arbeiten, machen laut der International Federation of ­Robotics ­derzeit 3 Prozent des weltweiten Roboter­umsatzes aus, aber der Anteil soll bis 2025 auf 34 Prozent eines Marktes von 25 Mrd. Dollar steigen – gigantische Zahlen.

„Dieses Wachstum wird ganz sicher davon abhängen, ob die Cobots in mehreren Anwendungen eingesetzt werden können“, kommentiert Iversen die Prognosen. Doch der Däne will sich nicht lange mit Analysen aufhalten. Viel mehr interessiert ihn, neuen Mehrwert zu schaffen. Der vom Startup Perception Robotics, das mittlerweile mit OnRobot fusioniert hat, entwickelte „Gecko Gripper“ bietet laut Iversen einen neuen Ansatz – seine Inspiration kommt aus der Natur und er nutzt das gleiche System der Adhäsion wie die Füße eines Geckos: Millionen von feinen Fasern haften an der Oberfläche des Werkstücks und erzeugen starke Van-der-Waals-Kräfte.

Für die „Gecko Gripper“-Technologie nutzt OnRobot ein lizenziertes Konzept, das ursprünglich vom NASA Jet Propulsion Laboratory (JPL) entwickelt und zur Marktreife gebracht wurde. „Dank dieser einzigartigen und sich schnell weiterentwickelnden Lösung sind für den Umgang mit großen, flachen Objekten keine Vakuumgreifer mit Druckluftanlage mehr erforderlich“, verspricht der Däne. Im Gegensatz zu Vakuumgreifern kann der Gecko Gripper auch perforierte oder poröse Werkstücke wie Platinen problemlos handhaben. Der Greifer ist kompatibel mit Roboterarmen von Universal Robots und Kawasaki. „Das ist uns wichtig. Wir sind aufgrund unserer Historie mit Universal Robots verbunden, treffen uns auch mal zum Kaffee, aber wir arbeiten mit allen anderen Robotikherstellern zusammen“, unterstreicht Iversen. Der Roboterarm ist für ihn „nur“ die Schnittstelle zum Werker.

Die Innovation liegt für den Gründer in den Werkzeugen des Roboters. Und die ersten Kunden bestätigen den Weg. Das dänische Getriebebauunternehmen Osvald Jensen verringerte mit dem Doppelgreifer die Zykluszeit an seiner CNC-Maschine um 12 Sekunden. Der „alte“ Einzelgreifer benötigte für die Aufgabe 27 Sekunden. „Um in einem Hochlohnland wie Dänemark wettbewerbsfähig zu bleiben und uns zugleich als modernes Unternehmen zu präsentieren, haben wir ­beschlossen, in Technologie zu investieren, die uns die beste Rendite bietet. Wir haben viel in unsere CNC-Maschinen investiert, und mit kollaborierenden Robotern, insbesondere dem Greifer von OnRobot, können wir sie äußerst kostengünstig automatisieren. Daher haben wir 2015 in unseren ersten OnRobot-Greifer investiert und erreichten in weniger als drei Monaten einen Return on Investment“, erläutert Christian Viereck von Osvald Jensen und Enrico Iversen steht stolz daneben und freut sich: Seine Technik verändert, verbessert Industrieprozesse. Das treibt ihn an.

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