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Wissen teilen ist überall die neue Basis

Roland Bent, Technologie-Vorstand bei Phoenix Contact GmbH & Co. KG, über die Perspektiven von Industrie 4.0 in Asien

18.03.2019
Bereitgestellt durch Global Business Magazine
Roland Bent
Roland Bent, Technologie-Vorstand bei Phoenix Contact

Welche Bedeutung haben Asiens Märkte derzeit für Phoenix Contact?

Zunächst: Asien ist kein homogenes Konstrukt. Es sind komplett unterschiedliche Volkswirtschaften, die auch sehr unterschiedlich funktionieren und sich unterschiedlich entwickeln.

Also der Reihe nach...

Japan ist ein hoch entwickelter Markt, der für uns sehr interessant ist, auch mit starkem Wachstum die letzten Jahre. Japan hat eine hohe eigene Technologiekompetenz. Ein ausländisches Unternehmen hat dort gute Chancen mit Produkten, die Japans eigene Wirtschaft nicht hat. De Grundlage unserer Positionierung in Japan war Verbindungstechnologie, die Japans Firmen für den internationalen Markt benötigen. Heute ist aber unser ganzes Produktportfolio interessant.

Es gibt noch eine große Volkswirtschaft - Korea. Hier richtet sich der Fokus nicht mehr nur auf die großen Konzerngruppen. Industrie 4.0 und Smart Manufacturing sollen auch die Zulieferer und die gesamte Industrie auf ein neues Niveau heben. Das Thema steht auf der politischen Agenda ganz oben, wie das bei meinem jüngsten Besuch in Korea auf allen Ebenen kommuniziert wurde.

Bleibt China ein Schlüsselmarkt für Phoenix Contact?

Ja, China bleibt die große Wachstumsmaschine in Asien. Das ist für uns ein ganz wichtiger Markt, der immer noch wirklich boomt. China und seine Global Players gehen den Weg zu einer innovativen Volkswirtschaft sehr konsequent und strategisch. Höhere Automatisierung und intelligente Fertigung sorgen im Moment sogar für einen neuen Industrieboom in China. Hier wird investiert, und zwar in neue Technologien, die die Chinesen noch nicht selber haben.

"China Bleibt die große Wachstumsmaschine in Asien

Was bedeutet diese Entwicklung für die Zukunft?

Diese Entwicklung führt zu einem enormen Bedarf an Ausbildung und Weiterbildung in der Industrie. China reflektiert das bei seinen Bildungssystemen. Dort findet ein enormer Wandel statt - von einer rein akademischen Ausrichtung zu immer mehr anwendungsbezogener Ausbildung, auch bei der universitären Ausbildung. China weiß, dass man Menschen mit einer praxisbezogenen Ausbildung braucht, um auch in Zukunft innovativ zu bleiben.

"Innovation benötigt Menschen mit fachbezogenen Ausbildungen"

Wie hängt die Wettbewerbsfähigkeit von exklusivem Wissen deutscher Anbieter ab?

Es wäre ein Irrglaube zu hoffen, man könne Hochtechnologie an innovative Kunden verkaufen und dabei noch heute sein Wissen vor den Märkten abkapseln. Wir haben in China eigene Entwicklungsteams und vernetzen uns ganz intensiv mit unseren chinesischen Kunden, um spezifische Lösungen für sie zu finden. In der Verbindungstechnologie wie auch in der Automatisierung muss ich mich mit den Kunden frühzeitig zusammensetzen, damit sie die Anwendungen technologisch verstehen und mit uns auf Augenhöhe diskutieren können. Ich brauche dazu das Know-how und die Ressourcen vor Ort, Leute, die Lösungen mit den Kunden umsetzen können. Das Teilen von Wissen soll also gar nicht verhindert werden. Es ist überall die neue Grundlage unseres Geschäfts

Intellectual Property - welche Rolle spielt dieses Thema in dieser offenen Wissenswelt?

Den ganz plumpen Ansatz, ein Produkt genau zu kopieren, wird man leider nur sehr schwer verhindern können. Es gibt sicherlich immer noch den einen oder anderen Versuch zu Fake-Produkten. Wir würden aber den Wettbewerb unterschätzen, wenn wir denken, sie hätten keinen eigenen Innovationsprozess. Der beste Kopierschutz ist immer noch ein hohes Tempo bei der eigenen Innovation.

Und wie bewahrt man als Technologieführer in dieser Konstellation seine Alleinstellung?

Die Aufgabe ist, selbst einfach schnell genug zu bleiben, weiterzuentwickeln, neue Dinge zu bringen und so für die Kunden attraktiv zu bleiben. Unsere mittlerweile 60000 Produkte sind ein Ergebnis, das unsere Kompetenzen und unser Know-how zeigt - von der Expertise bei Oberflächen bis hin zur Software für Cyber Security Software: Aus dieser vollen Bandbreite der beherrschten Technologien kreativ zu sein, komplexe Anwendungen und spezifische Kundenlösungen entwickeln zu können, damit bleiben wir im Markt attraktiv.

"Aus der vollen Brandbreite der beherrschten Technologien kreativ zu sein und spezifische Lösungen zu entwickeln - damit bleiben wir im Markt attraktiv."

Wie hilft dabei das Konzept der Technology Academy, in dem sie ja gemeinsam mit anderen Mittelständlern auftreten?

Das Konzept setzt ja nicht auf die Präsentation eines einzelnen Produkts, sondern zeigt, wie unterschiedliche Komponenten in einer Anlage in der Produktion interagieren. Das begreiflich zu machen, ist die gemeinsame Basis für den Erfolg in China. In einer Gruppe von überwiegend deutschen Herstellern können wir unsere Kompetenz zeigen - und unsere Fähigkeit, in der digitalen Welt Teilaspekte in vernetzte Gesamtlösungen zu integrieren. Das ist eine Win-Win-Situation für alle Seiten - für uns als Hersteller wie auch für die Besucher.

Wir haben ein hohes Interesse, das gemeinsam mit der Technology Academy zu multiplizieren. Wir haben ja auch selbst vergleichbare Aktivitäten aktuell an zehn verschiedenen chinesischen Hochschulen. Sie betreiben Demonstrationsanlagen für Smart Manufacturing betreiben, die unter unserer Regie aufgebaut wurden.

"Das Konzept der Technology Academy ist eine Win-Win-Situation für alle Seiten"

Wie vermittelt Phoenix Contact seine Unternehmenskultur und baut Loyalitäten bei den Mitarbeitern auf?

Dafür gibt es keinen Königsweg. Aber es muss schon deutlich werden, dass Sie den chinesischen Mitarbeitern etwas Besonderes mitgeben: Qualifikation, die den eigenen Marktwert steigert, echte Wertschätzung, das Gefühl, dass sie auch noch in der Zukunft an Spitzentechnologie arbeiten. Es ist auch wichtig, den Mitarbeiter Gestaltungsmöglichkeiten zu bieten. Aber bei den Vergütungen hat das seine Grenzen. Bei einer so rasanten Entwicklung wie in China, vor allem lokal um Schanghai herum, ist das eine echte Herausforderung, wenn gut ausgebildete Mitarbeiter das Unternehmen deswegen verlassen. Wir selbst haben das im Moment noch sehr gut im Griff. Das Konzept und die Stabilität eines deutschen Familienunternehmens sind bei Führungskräften nicht zu unterschätzende Faktoren.

Wie wirken sich denn die aktuellen handelspolitischen Spannungen aus?

Die globalen bzw. geopolitische Situation hat bereits relativ viel Verunsicherung ausgelöst.

Wir merken, dass unsere chinesischen Kollegen skeptisch in die Zukunft blicken. Das ist keine gute Entwicklung - das muss man deutlich sagen. Das hat noch nie zu etwas Gutem geführt, diese Entwicklung.

Interview von Hans Gäng

Mehr Informationen finden Sie unter Global Business & Markets

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