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Plattform­ökonomie

Selbstcheck für Maschinenbauer ermittelt den Industrie-4.0-Reifegrad

Der Einstieg in die Plattformökonomie fällt dem Maschinen- und Anlagenbau nicht leicht. Warum das so ist, hat eine Branchenstudie herausgefunden. Sie gibt Unternehmen auch gleich die Möglichkeit, herauszufinden, wie sie selbst fürs IIoT aufgestellt sind.

28.02.2018
Florian Eichberger
Industrie 4.0
Selbstcheck für Maschinenbauer ermittelt den Industrie-4.0-Reifegrad (Foto: Shutterstock)

Im Vorfeld der Hannover Messe 2018 haben der VDMA, die Unternehmensberatung Roland Berger und die Deutschen Messe AG eine Studie zur „Plattformökonomie im Maschinenbau“ erarbeitet. Die Autoren Dr. Michael Zollenkop und Martin Lüers untersuchen darin Chancen, Voraussetzungen und Hindernisse digitaler Geschäftsmodelle im industriellen B2B-Segment, inklusive Handlungsempfehlungen. Dabei unterscheiden sie zwischen digitalen Marktplätzen für industrielle Güter und Services auf der einen Seite und vernetzten IIoT-Plattformen auf der anderen Seite. Als Beispiele für plattformbasierte Services nennt die Studie die MindSphere (Siemens), the@vanced (Kampf) und MAX (thyssenkrupp).

Solche IoT-Plattformen ersparen den beteiligten Industrieunternehmen erstens Transaktionskosten, zweitens ermöglichen sie ganz neue Dienste und Geschäftsmodelle. Die dritte Eigenheit der Plattformökonomie liegt im Netzwerkeffekt, der zugleich Vorteil und Risiko ist: Je mehr Beteiligte eine Plattform versammeln kann, desto größer ist der Nutzen für die Einzelnen. Daraus folgt aber auch ein enormer Konsolidierungsdruck, der es Unternehmen derzeit nicht leicht macht, eine Entscheidung zu treffen, und am Ende vermutlich auf eine einzige Winner-takes-it-all-Lösung hinausläuft. In jedem Fall wirken die konkurrierenden Plattformen bereits stark disruptiv und machen etablierte Geschäftsmodelle obsolet bzw. zwingen durch veränderte Wertschöpfungs- und Umsatzanteile zu einer Neupositionierung. Umso sinnvoller ist es, dass Unternehmen aus dem Maschinenbau rasch und unkompliziert herausfinden können, wie sie selbst für das Industrial Internet of Things aufgestellt sind. Zur Studie gehört nämlich außerdem ein IIoT-Readiness-Selbstcheck , der nach wenigen Abfragen den jeweiligen Industrie-4.0-Reifegrad ausgibt.

Das derzeit größte Hindernis auf dem Weg zur Plattformökonomie verortet die Studie nicht aufseiten der Industrie, sondern bei der Politik: An erster Stelle steht der schleppende Breitbandausbau. Gleich darauf folgt der Aufwand, den es den mittelständisch geprägten Maschinenbau kosten würde, separate Lösungen für die einzelnen Plattformen zu entwickeln. Das positive Gegenbeispiel hierzu ist der offene Industrial Data Space e.V. , der eine IIoT-Referenzarchitektur und Schnittstellen mit dem Ziel eines internationalen Standards entwickelt. Die dritte große Hürde ist der Problemkomplex Datensicherheit, Datenintegrität und Datensouveränität; hier sieht der VDMA vor allem „die Aktivitäten staatlicher Stellen außerhalb des europäischen Rechtsraums“ als Bedrohung.

Die wichtigste Lehre aus dieser Studie ist, dass sich der Wettbewerbsdruck im Maschinen- und Anlagenbau insgesamt deutlich erhöhen dürfte. Daher, so die Empfehlung im Ergebnisüberblick , sei das Thema unbedingt auf Vorstandsebene zu behandeln: „Eine Positionierung in der Plattformökonomie muss deshalb essenzieller Bestandteil eines jeden Maschinen- und Anlagenbauers werden.“ Dabei gilt es – auch mit Blick auf vermutlich unerlässliche Kooperationen –, das Verhalten von Kunden und Mitbewerbern genau im Auge zu behalten, wichtig sei ferner die Kontrolle über die Kundenschnittstelle.