Fünf Millionen Industrieroboter: Weltmarkt auf Rekordkurs
Weltweit arbeiten erstmals fünf Millionen Industrieroboter. Deutschland bleibt Europas größter Robotermarkt, installierte 2025 aber acht Prozent weniger Roboter als im Vorjahr. Zugleich bereiten Schaeffler, Agile Robots, NEURA Robotics und Startups wie das Braunschweiger Unternehmen Aeon Robotics die nächste Stufe vor: humanoide Roboter für die Industrie.
5. Okt. 2026Teilen
Die globale Robotik wächst unvermindert. Laut dem World Robotics 2026 Report der International Federation of Robotics (IFR), am 24. September in Frankfurt veröffentlicht, stieg der weltweite Bestand an Industrierobotern 2025 um neun Prozent auf den Rekordwert von fünf Millionen Einheiten. Die Fabriken installierten mehr als 600.000 neue Roboter, elf Prozent mehr als im Vorjahr. Wachstumsmotor bleibt China mit 354.000 Installationen und einem Anteil von 59 Prozent. Die USA haben Japan überholt und sind nun zweitgrößter Markt. Für 2026 erwartet die IFR ein Plus von neun Prozent auf 655.000 Einheiten, für 2029 dann 806.000.
Deutschland: Europas Nummer eins mit Dämpfer
Deutschland installierte 2025 insgesamt 24.800 neue Industrieroboter und bleibt weltweit der fünftgrößte Markt. Auf die Bundesrepublik entfallen 41 Prozent aller Installationen in der EU. „Die industrielle Automation in Deutschland ist auf hohem Niveau“, sagt IFR-Präsidentin Jane Heffner. Dennoch sank der Absatz um acht Prozent, vor allem wegen der schwächeren Nachfrage des verarbeitenden Gewerbes.
Besonders deutlich zeigt sich der Wandel in der Automobilindustrie. Sie installierte 5.800 Roboter und bleibt mit 23 Prozent Marktanteil größter Abnehmer – 2020 lag ihr Anteil noch bei 40 Prozent. Als Gründe nennt die IFR den schwächer als erwartet verlaufenen Absatz von Elektrofahrzeugen und politische Unsicherheiten, die Investitionen verzögern. Die metallverarbeitende Industrie installierte 5.300 Einheiten (minus 13 Prozent), die Chemie- und Kunststoffindustrie 3.000 (minus 5 Prozent). Auch die Roboterproduktion in Deutschland ging zurück, um 24 Prozent auf 23.700 Einheiten; die Exporte fielen um 37 Prozent auf 15.100. Die IFR erklärt das unter anderem mit der Verlagerung der Fertigung näher an die lokalen Märkte.
Humanoide im Training: Schaeffler und Hexagon
Während der klassische Markt schwächelt, bereiten deutsche Industrieunternehmen den nächsten Schritt vor. Schaeffler will bis 2032 mindestens 1.000 humanoide Roboter vom Typ AEON in seinem globalen Produktionsnetz einsetzen; das haben der Motion-Technology-Konzern und Hexagon Robotics im April vereinbart. Schaeffler liefert zudem Präzisionsaktuatoren für den Roboter. Seit August trainiert AEON im „Humanoid Gym“ von Schaeffler in Deutschland. Dort lernt er industrielle Aufgaben per Imitation Learning und wird validiert, bevor er in die Produktion wechselt – ohne laufende Linien zu stören. Auch BMW setzt im Werk Leipzig auf AEON: Nach einem ersten Testeinsatz im Dezember 2025 war die Pilotphase in der Hochvoltbatterie-Montage und Komponentenfertigung ab Sommer 2026 geplant.
Humanoide „made in Germany“
Auch deutsche Hersteller bringen eigene Humanoide an den Start. Agile Robots aus München hat angekündigt, seinen Industrie-Humanoiden Agile ONE im eigenen Werk in Bayern in Serie zu fertigen; auf der HANNOVER MESSE 2026 montierten bereits zwei Agile ONE live Miniatur-Roboterarme. NEURA Robotics aus Metzingen hat im Juni eine Series-C-Finanzierung von bis zu 1,4 Milliarden US-Dollar angekündigt, an der sich unter anderem Bosch, Schaeffler und die Europäische Investitionsbank beteiligen. Anfang September vereinbarte NEURA mit dem italienischen Embedded-Spezialisten SECO, Rechenmodule für seine Roboter in Europa zu entwickeln und zu fertigen.
Neu im Feld: Aeon Robotics
Neu im Feld ist Aeon Robotics. Das 2021 gegründete Spin-off der TU Braunschweig, Aussteller im Startup-Bereich der HANNOVER MESSE 2026, hat seinen ersten vollständigen Humanoiden AEVO beim AI & Robotics Summit in Berlin erstmals öffentlich vorgestellt. Der 1,52 Meter große Roboter wiegt weniger als 35 Kilogramm, verfügt über 65 Freiheitsgrade und soll Nutzlasten von rund zehn Kilogramm bewältigen können. Antriebe, Roboterhände und Steuerung stammen aus eigener Entwicklung; Bewegungen lassen sich über Handcontroller mit Kraftrückmeldung vormachen und anlernen. Konkrete Industrieanwendungen will das Startup gemeinsam mit Partnern umsetzen.
Ausblick: Der Mittelstand als Wachstumstreiber
Für 2026 rechnet die IFR in Deutschland noch einmal mit sinkender Nachfrage, ab 2027 erwarten Experten wieder steigende Installationszahlen. Großes Potenzial sieht der Verband im Mittelstand: Leicht bedienbare und kostengünstige Roboter sowie Robot-as-a-Service-Modelle senken die Einstiegshürden. Zusammen mit den Humanoiden, die derzeit in deutschen Werken trainiert werden, könnte daraus ein neuer Automatisierungsschub entstehen.
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