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Tagesprogramm

Erst eine Zeile im Geschäftsbericht, dann die Telefonkonferenz: Am 19. Oktober vermerkte Tesla in den Unterlagen zur Hauptversammlung, man habe Optimus V3 serienreif gemacht – tags darauf stiegen chinesische Zulieferaktien bis ans Tageslimit. Bei der Vorlage der Quartalszahlen am 21. Oktober wurde das Unternehmen konkreter: Im Werk Fremont, wo zuvor Model S und Model X gebaut wurden, hat auf der Großserienlinie eine frühe Produktion begonnen; laut Quartalsbericht sind es die ersten Roboter in Serienqualität. Die Linie, nach Elon Musk auf eine Million Einheiten im Jahr ausgelegt, ist weitgehend installiert.

Musk: Bei Auslieferungsbeginn werde kein Wettbewerber mithalten können

Bis zur Zielrate von 20.000 Robotern pro Woche dürfte es mindestens ein Jahr dauern, so Musk, denn 10.000 Dinge müssten gelingen, und das Tempo bestimme das langsamste davon. An Kunden außerhalb von Tesla will er gegen Ende 2027 liefern, zunächst für industrielle Anwendungen. Preise und Stückzahlen nannte Tesla nicht. In Texas wird derweil ein eigenes Optimus-Werk gebaut, dessen Linie der zweiten Generation langfristig auf zehn Millionen Roboter im Jahr ausgelegt ist. Musk gab sich überzeugt, bei Auslieferungsbeginn werde kein Wettbewerber auch nur annähernd mithalten können.

Hyundai holt den Alexa-Architekten

Die Hyundai Motor Group, Eigentümerin von Boston Dynamics, hat am 7. Oktober Rohit Prasad als CEO eingesetzt. Prasad war zwölf Jahre bei Amazon, zuletzt als Senior Vice President und Head Scientist für Alexa und Artificial General Intelligence; er verantwortete auch die Modellfamilie Nova. Sein Vorgänger Robert Playter war im Februar ausgeschieden. Der Auftrag ist umrissen: Hyundai will bis 2028 eine Fabrik mit einer Kapazität von 30.000 Humanoiden jährlich errichten und Atlas von 2028 an in den eigenen Werken einsetzen. Wenige Tage vor dem Chefwechsel hatte Boston Dynamics neue Hände für Atlas mit 13 Freiheitsgraden vorgestellt, ausgelegt auf Simulation und aktuelle KI-Modelle. Dass für das kommende Jahr ein Börsengang erwogen wird, berichtet die Korea JoongAng Daily.

Agility geht an die Börse

Agility Robotics nimmt den direkten Weg. Die SEC hat am 13. Oktober die Registrierung für die Fusion mit Churchill Capital Corp XI für wirksam erklärt; die Aktionäre des SPAC stimmen am 2. November ab, der Handel unter dem Kürzel AGLT soll im November beginnen. Agility wird dabei mit 2,5 Milliarden Dollar vor Mittelzufluss bewertet – mehr als 620 Millionen Dollar sollen zufließen, darunter rund 200 Millionen aus einer von Foxconn angeführten Privatplatzierung. NVIDIA, SoftBank und Schaeffler zählen zu den strategischen Investoren. Das Geld ist für bestehende Aufträge, die Produktion von Digit 5 und Sicherheitssysteme vorgesehen. Dass es um Betriebsstunden geht und nicht um Vorführungen, zeigt ein Detail vom 19. Oktober: Der britische Batteriehersteller Nyobolt liefert für Digit 5 ein Schnellladesystem, das die Ladezeit auf neun Minuten drückt – ein Verhältnis von Lauf- zu Ladezeit von 10:1 statt bislang 2:1. Toyota Motor Manufacturing Canada hat nach einjährigem Pilotbetrieb einen Robots-as-a-Service-Vertrag geschlossen, bei GXO hat Digit mehr als 100.000 Behälter bewegt; insgesamt meldet Agility mehr als 65.000 Betriebsstunden und Zusagen für neun Kundenstandorte.

China zählt bereits sechsstellig

Die Vergleichsgröße liefert Peking. Nach Angaben des Industrieministeriums MIIT, zuletzt am 19. Oktober bekräftigt, lag Chinas Humanoiden-Produktion im ersten Halbjahr bei über 40.000 Einheiten und mehr als 400 Modellen. Für das Gesamtjahr erwartet das Ministerium über 100.000 Stück nach rund 20.000 im Vorjahr. Die Marktforscher von IDC zählen enger: knapp 25.000 weltweit ausgelieferte Humanoide im ersten Halbjahr, ein Plus von 432 Prozent, davon über 95 Prozent von chinesischen Herstellern; AgiBot allein kommt auf mehr als 8.600 Einheiten. Zugleich entfallen laut IDC noch 69 Prozent der Auslieferungen auf Forschung, Lehre, Vorführung und Behörden – 2025 waren es 84 Prozent. Unitree, dessen Aktie am ersten Handelstag in Shanghai im August um 460 Prozent zulegte, zeigte am 21. Oktober den H2-X mit acht Stunden Laufzeit und Kampfkunst-Einlagen – autonome Arbeit war im Video allerdings nicht zu sehen.

Die Kennzahlen, die jetzt zählen

Produktionskapazität ist zur Währung geworden, bevor der betriebswirtschaftliche Nachweis erbracht ist. Das ist nicht unvernünftig: Ohne Stückzahlen keine Kostendegression, ohne Kostendegression kein Geschäftsmodell. Für Anwender verschiebt sich damit die Frage. Nicht, ob ein Humanoid laufen kann, sondern wie viele Stunden er zwischen zwei Eingriffen arbeitet, wie schnell er lädt, wer die Sicherheitsfreigabe verantwortet und was eine Betriebsstunde im Vertrag kostet. Die International Federation of Robotics zählte für 2025 rund 7.000 weltweit verkaufte Humanoide in Vollgröße – gegenüber 603.000 Industrierobotern. Die Lücke schließt sich schneller, als viele erwartet haben. Sie ist aber noch immer eine Lücke.

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