NVIDIA, Google und Qualcomm ringen um die Software der Roboter
Auf der Entwicklerkonferenz ROSCon in Toronto haben drei Technologiekonzerne innerhalb von zwei Tagen ihre Robotik-Software geöffnet, erweitert oder zugekauft. Die Ankündigungen zeigen: Der Wettbewerb in der Physical AI verlagert sich von der Hardware in den Software-Stack. Für Industrieanwender sinken damit die Einstiegshürden.
5. Okt. 2026Teilen
Das Robot Operating System (ROS) ist ein offenes Rahmenwerk aus Bibliotheken und Werkzeugen, auf dem ein großer Teil der modernen Roboterentwicklung aufsetzt. Auf der jährlichen Community-Konferenz ROSCon, die in diesem Jahr in Toronto stattfand, nutzten drei Schwergewichte die Bühne für strategische Ankündigungen. Gemeinsam ist ihnen, dass sie auf offene Software setzen – und damit um die Gunst der Entwickler werben.
NVIDIA: KI-Agenten entwickeln mit
NVIDIA hat am 22. September Isaac ROS 5.0 veröffentlicht, eine Sammlung GPU-beschleunigter Softwarepakete auf ROS-Basis. Neu sind Workflows, bei denen KI-Agenten Entwickler unterstützen: Wiederverwendbare Skills übernehmen etwa die Einrichtung der Umgebung, Pick-and-Place-Abläufe oder die Anpassung von Wahrnehmungsmodellen an die eigenen Kameras. Das Modell FoundationPose erkennt und verfolgt Position und Ausrichtung von Objekten nun bis zu 5,5-mal schneller. Isaac ROS 5.0 unterstützt die aktuelle ROS-Version Lyrical, läuft auf der Jetson-Plattform von Orin Nano bis Thor und ist kostenlos als Open Source verfügbar. Laut NVIDIA erreicht Isaac ROS die fast 1,3 Millionen ROS-Nutzer; zu den integrierenden Unternehmen zählen Universal Robots, Magna und Intrinsic.
Intrinsic: Google öffnet seinen Industrie-Stack
Intrinsic, die Robotik-Software-Einheit von Alphabet, die seit Februar zu Google gehört, hat am selben Tag Intrinsic Core unter der Apache-2.0-Lizenz freigegeben. Sie erlaubt die kommerzielle Nutzung ohne Lizenzgebühren. Das Paket umfasst ein herstellerunabhängiges Echtzeit-Steuerungsframework, Posenerkennung, Bewegungs- und Greifplanung, Simulation auf Basis von Gazebo, Kamerakalibrierung sowie ROS-Treiber. Dazu kommt eine offene Referenzlösung für die Beschickung von CNC-Maschinen mit Robotern von FANUC und Universal Robots. „Das ist der Kern unseres eigenen Software-Stacks“, betont Intrinsic-CTO Brian Gerkey. Mobile Roboter und Humanoide deckt Intrinsic Core bislang nicht ab.
Qualcomm: Zukauf bei der Greifplanung
Qualcomm hat am 23. September angekündigt, das Robotik-Softwareunternehmen PickNik aus Boulder in Colorado zu übernehmen. PickNik betreut das Open-Source-Framework MoveIt, eines der meistgenutzten Werkzeuge für die Bewegungsplanung von Roboterarmen, und vertreibt die kommerzielle Plattform MoveIt Pro. MoveIt 1 und 2 sollen unter den bestehenden Lizenzen offen bleiben und weiter Hardware anderer Anbieter unterstützen. Zugleich wird die Software enger mit Qualcomms Robotik-Plattform Dragonwing verzahnt, zunächst auf den Arduino-Boards VENTUNO Q. Den Kaufpreis nannte Qualcomm nicht; der Abschluss steht unter den üblichen Bedingungen.
Weichenstellungen auf HANNOVER MESSE 2026 bereits erkennbar
Die in Toronto erfolgten Weichenstellungen zeichneten sich bereits auf der HANNOVER MESSE 2026 ab. Qualcomm stellte dort seine IQ10-Serie aus, eine Prozessorplattform für autonome mobile Roboter und Humanoide. NVIDIA zeigte mit Partnern, wie Simulation und Edge-KI in die Fabrik kommen: Der Humanoid HMND 01 des Startups Humanoid absolvierte mit Jetson Thor einen Logistik-Pilotversuch im Siemens-Werk Erlangen, SCHUNK präsentierte eine mit Omniverse und Isaac simulierte Automatisierungszelle, und Hexagon nutzt NVIDIA-Technologie für seinen Humanoiden AEON. Einen ähnlichen Ansatz wie Intrinsic verfolgt das Dresdner Unternehmen Wandelbots: Seine Plattform NOVA, ebenfalls in Hannover ausgestellt, bildet eine einheitliche Steuerungs- und Entwicklungsschicht über Roboter verschiedener Hersteller hinweg.
Offene Software als Beschleuniger
Die ROSCon-Ankündigungen senden ein klares Signal. Die großen Technologieanbieter konkurrieren darum, die Standardwerkzeuge für die nächste Robotergeneration zu stellen, und sie tun es mit offener Software. Für Anwender, gerade im Mittelstand, bedeutet das mehr frei verfügbare, industrieerprobte Bausteine und kürzere Wege vom Prototyp zur Produktion.
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