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Das Münchner KI- und Robotik-Unternehmen Agile Robots treibt den Wandel zur physischen künstlichen Intelligenz („Physical AI“) mit massiven Investitionen voran. Wie das Unternehmen auf seinem „Physical AI Media Day“ Anfang September bekannt gab, fließen erhebliche Mittel in Daten, KI-Algorithmen und Hardware. Ein zentraler Meilenstein ist dabei der Ausbau der eigenen Produktion am oberbayerischen Standort Fürstenfeldbruck – der Heimatstadt von Mitgründer Peter Meusel.

Hochlauf der Serienfertigung in Fürstenfeldbruck

In der neuen Produktionsstätte fertigt Agile Robots derzeit rund zehn humanoide Systeme pro Tag. Ziel ist es, das Produktionsvolumen bis Ende des Jahres auf rund 2.000 Einheiten hochzufahren. Die Fertigungslinien nutzen modulare Roboterstationen, in denen ein- und zweiarmige Systeme Gelenke und Arme automatisiert montieren. Die Endmontage des vollständigen Körpers erfolgt aufgrund hoher Variantenvielfalt und laufender Entwicklungsanpassungen aktuell noch manuell. In der Fabrik selbst versorgen „Humanoide auf vier Rädern“ – bestehend aus einem humanoiden Oberkörper auf einer mobilen Robotik-Plattform (AMR) – die Fertigungslinien mit Material.

Reale Daten für physische KI

CEO Zhaopeng Chen betont das enorme Marktpotenzial: „Der Markt für Physical AI wird 10mal größer als der Automobilmarkt.“ Um diesen Markt zu erschließen, brauche es neben KI („Brain“) und Roboterkörper („Body“) vor allem konkrete Anwendungen und reale Daten. Dafür betreibt Agile Robots in München eine eigene „Robot Academy“. Dort trainieren Mitarbeiter die Roboter für reale Industrieaufgaben.

Über körpernahe Kameras und Sensoren erfassen die Teams Bewegungsdaten beim Schließen von Behältern oder dem Abziehen von Schutzfolien bei Smartphones – Agile Robots ist langjähriger Lieferant des Apple-Auftragsfertigers Foxconn. Zudem steuern Mitarbeiter die Systeme via 3D-Mäusen und Datenanzügen per Teleoperation. Dadurch lernen ein- und zweiarmige Roboter sowie humanoide Oberkörper präzise Bewegungsabläufe, wie das Stecken von Kabeln, das Einbauen von Lüftern und Arbeitsspeichern für Rechenzentren oder Handhabungsaufgaben für die Automobilindustrie.

Dynamisches Wachstum und hohe Patentdichte

Die Unternehmensentwicklung seit der Gründung im Jahr 2018 als Spin-off des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) ist von steilem Wachstum geprägt. Mittlerweile beschäftigt Agile Robots weltweit 3.500 Mitarbeiter, davon allein 2.500 im Bereich Forschung und Entwicklung. Das Unternehmen installierte laut eigener Angaben bereits über 20.000 Roboterlösungen bei Industriekunden, darunter mehrere tausend humanoide Roboter. „Der humanoide Anteil an den Robotern, die wir bei unseren Kunden installieren, nimmt in jüngster Zeit dramatisch zu“, erklärt Chen, der am DLR lange zu humanoiden Roboterhänden forschte und sich weiterhin primär als „Scientist“ versteht.

Auch im Innovationsranking schlägt sich diese Ausrichtung nieder: Mit mehr als 650 Patenten belegt Agile Robots laut LexisNexis Platz sieben der weltweit innovativsten Startups im Bereich humanoider Robotik – hinter sechs chinesischen Unternehmen (darunter Fourier, Agibot, LimX Dynamics, Pudu Robotics, Unitree Robotics, Leju Robotics) sowie Figure AI aus den USA. Finanziell strebt der Spezialist im laufenden Jahr eine Umsatzverdopplung auf rund 600 Millionen Euro an und visiert „schon bald“ die Grenze von einer Milliarde Euro an.

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