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Am 21. September hat Boston Dynamics das Robotics Metaplant Application Center (RMAC) eröffnet. Es liegt auf dem Campus der Hyundai Motor Group Metaplant America (HMGMA) bei Savannah im US-Bundesstaat Georgia und dient als Test- und Trainingszentrum, um Atlas direkt in die Automobilproduktion des Mutterkonzerns zu integrieren. Die erste Ausbaustufe ist in Betrieb. Atlas übt dort, Fahrzeugteile vorzubereiten und in die Reihenfolge zu bringen, die die Montage benötigt – im Fachjargon als Sequenzierung bekannt.

Boston Dynamics beschreibt das RMAC als dauerhafte Einrichtung für Datenerfassung und Anwendungstests, eng abgestimmt mit dem Werk. Der Roboter lernt über Teleoperation, bestärkendes Lernen in der Simulation und handgeführte Erfassungsgeräte. „Gemeinsam mit der Hyundai Motor Group betreiben wir Pionierarbeit für Physical AI im industriellen Maßstab“, sagt Zack Jackowski, Chief Product and Technology Officer bei Boston Dynamics.

Der Fahrplan: von der Sequenzierung zur Montage

Die Ziele sind ehrgeizig. Hyundai will in den kommenden Jahren zunächst 25.000 Atlas-Einheiten in den Werken von Hyundai und Kia weltweit einsetzen. Im Werk in Georgia sollen die Roboter ab 2028 Teile sequenzieren, bis 2030 folgt die Komponentenmontage. Bereits im Januar hatte der Konzern eine US-Fertigung angekündigt, die bis 2028 jährlich 30.000 Roboter bauen soll.

2027 zieht das RMAC in ein rund zehnmal größeres Gebäude. Im selben Jahr will Boston Dynamics Anwendungen jenseits der Autoindustrie erkunden, etwa in Luft- und Raumfahrt, Halbleiterfertigung, Logistik, Lebensmittelindustrie und Life Sciences. Ausgangspunkt sind Gespräche mit Bestandskunden der Roboter Spot und Stretch.

Was Atlas mitbringt

Die Serienversion von Atlas hatte Hyundai auf der CES im Januar vorgestellt. Nach Konzernangaben verfügt der Roboter über 56 Freiheitsgrade, hebt bis zu 50 Kilogramm und tauscht seine Batterie selbstständig, um ohne Pause weiterzuarbeiten. Die meisten Aufgaben soll er in weniger als einem Tag erlernen. Für die KI-Grundlagen kooperiert Boston Dynamics mit Google DeepMind, dessen Gemini-Robotics-Modelle einfließen sollen.

Humanoide und Industrie treffen sich auf HANNOVER MESSE

Dass Humanoide in der Industrie angekommen sind, zeigte bereits die HANNOVER MESSE 2026. Agile Robots aus München ließ zwei seiner Humanoiden Agile ONE am Stand gemeinsam Miniatur-Roboterarme montieren und verpacken. Hexagon präsentierte im Application Park seinen Industrie-Humanoiden AEON, der Bauteile greifen und scannen kann und seine Batterie in 25 Sekunden wechselt. Mit XPENG war ein weiterer Autohersteller vertreten, der eigene Humanoide entwickelt: Sein Roboter IRON läuft seit September in Guangzhou von einer eigenen Fertigungslinie; die Massenproduktion ist bis Ende 2026 geplant.

Auch die Zulieferseite war prominent vertreten. Schaeffler erhielt den HERMES AWARD 2026 für eine Aktuatorplattform für humanoide Roboter, deren Bauraum rund 20 Prozent unter heutigen Marktlösungen liegt. Und der Trainingsansatz des RMAC hat eine deutsche Parallele: Im „Humanoid Gym“ von Schaeffler lernt Hexagons AEON seit August industrielle Aufgaben, bevor mindestens 1.000 Einheiten in die Werke des Konzerns wechseln sollen.

Die Fabrik als Lernumgebung

Das RMAC steht für einen Wandel in der humanoiden Robotik. Entscheidend sind nicht mehr spektakuläre Vorführungen, sondern Daten aus realen Produktionsprozessen und die Zuverlässigkeit im Schichtbetrieb. Konzerne mit eigenen Werken können beides liefern. Gelingt der Sprung vom Training in die Serie, könnten Humanoide schon in wenigen Jahren dort arbeiten, wo klassische Automatisierung bislang an ihre Grenzen stößt.

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