Aussteller & Produkte
Events & Speakers
Tagesprogramm

NEURA Mobile Robots übernimmt 100 Prozent der Anteile an der ADLATUS Robotics GmbH, einem etablierten Anbieter autonomer Reinigungsrobotik mit mehr als 20 Jahren Erfahrung. Mit dem Unternehmen wechseln mehrere hundert installierte Systeme, eine eigene Navigationssoftware und Anwendungswissen aus Industrie, Logistik, Gesundheitswesen und öffentlichen Gebäuden in die NEURA-Gruppe.

Was NEURA damit vorhat, formuliert Firmengründer David Reger ungewöhnlich unverblümt: Man kaufe ADLATUS nicht, um dem Portfolio einen weiteren Reinigungsroboter hinzuzufügen, sondern um solchen Maschinen ein neues Gehirn zu geben. Reinigung sei ein riesiger globaler Arbeitsmarkt und zugleich ein Musterfall dafür, was Physical AI verändern könne. Künftig sollen die Systeme zusätzliche Sensorik erhalten und schrittweise an das Neuraverse angebunden werden – vom festen Routenabfahren hin zum Erkennen von Oberflächen und Verschmutzungsarten, zur Wahl einer passenden Strategie und zum Lernen aus dem laufenden Betrieb.

Bosch Rexroth gibt eine Plattform ab

Der Zukauf elf Tage zuvor folgt derselben Logik. Zum 1. Oktober 2026 übernimmt NEURA das fahrerlose Transportfahrzeug ACTIVE Shuttle von Bosch Rexroth komplett, also Hardware, Software und künftig auch Service. Die bewährten Technologien ACTIVE Fleet Manager und die Navigationssoftware ROKIT bleiben Teil der Lösung und sollen längerfristig über das Neuraverse auch anderen NEURA-Anwendungen als Werkzeuge zur Verfügung stehen.

Für Bestandskunden ist das zunächst eine Kontinuitätsfrage. Beide Seiten betonen, die Übergabe gemeinsam vorbereitet zu haben; Service, Support und Investitionssicherheit stünden im Vordergrund. Bemerkenswert ist die Richtung des Geschäfts: Ein Konzern des klassischen deutschen Maschinenbaus trennt sich von einer eingeführten AMR-Plattform, ein zehn Jahre altes KI-Unternehmen greift zu.

Die Wette: Plattform schlägt Produkt

Dahinter steht ein Argument, das über NEURA hinausweist. Anders als generative KI lebt Physical AI von Daten und Erfahrung aus der realen Welt – Maschinen müssen lernen, wie physische Aufgaben tatsächlich ausgeführt werden. Die installierte Basis von ADLATUS liefert genau dafür die Grundlage: entwickeln, validieren, skalieren unter Echtbedingungen. Wer Modelle trainieren will, braucht Flotten im Feld. Zukäufe sind der schnellste Weg dorthin.

Das Fundament dafür wurde im Juni gelegt. Die Series-C-Runde über bis zu 1,4 Milliarden Dollar brachte Tether, Qualcomm, Amazon und Nvidia zusammen mit Bosch, Schaeffler und der Europäischen Investitionsbank; die Bewertung lag bei rund sieben Milliarden Dollar. NEURA Mobile Robots firmiert unter der eingeführten Marke ek robotics, sitzt in Hamburg, unterhält Standorte in Reutlingen, Mailand, Prag und Buckingham und beschäftigt mehr als 300 Mitarbeiter.

Offenes Ökosystem – oder Abhängigkeit?

NEURA betont, das Neuraverse solle eine offene Infrastruktur für unterschiedliche Roboter, Hersteller und Bauformen sein; auch Wettbewerber sollen ihre Maschinen anbinden können. Physical AI, so Reger, skaliere nur als Ökosystem.

Für Anwender ist das die entscheidende Prüffrage. Wer heute ACTIVE Shuttles im Materialfluss betreibt, sollte drei Punkte schriftlich klären: die Servicezusagen über den 1. Oktober hinaus, die Roadmap für Firmware und Schnittstellen – und vor allem, ob Fleet-Management und Navigationsdaten exportierbar bleiben, falls die Plattformstrategie eine andere Richtung nimmt. Ein offenes Ökosystem erkennt man nicht an der Ankündigung, sondern an der Ausstiegsklausel.

v-cloak>