Das Rückgrat der nächsten Generation humanoider Robotik
Auf der HANNOVER MESSE 2026 besiegelten der aktuelle HERMES-AWARD-Gewinner Schaeffler und das Schweizer Unternehmen Hexagon Robotics eine Technologiekooperation. Die Partner vereinbarten, dass Schaeffler nach einem erfolgreichen Pilotprogramm in den kommenden sieben Jahren rund eintausend AEON-Humanoide in seinem globalen Produktionsnetzwerk einsetzen wird, gleichzeitig soll Schaeffler hochpräzise Aktoren an Hexagon liefern, die in die AEON-Systeme einfließen.
29. Apr. 2026Teilen
Die in Hannover besiegelte Vereinbarung verbindet drei Ebenen, die für den industriellen Einsatz humanoider Systeme entscheidend sind: Roboterplattform, Schlüsselkomponenten und reale Produktionsdaten. AEON soll nach Angaben von Hexagon in einer Pilotphase bereits eine Mehrmaschinenstation bedient, Teile be- und entladen sowie Inspektionsaufgaben in realer Produktion demonstriert haben. Weitere Anwendungen, darunter eine automatisierte Teileprüfung, sollen ab Ende 2026 ausgerollt werden. „Wir freuen uns sehr, dass unser Humanoid AEON nun in die reale Produktion übergeht“, sagt Arnaud Robert, Präsident von Hexagon Robotics, und fügt hinzu: „Die Zusammenarbeit mit Schaeffler ermöglicht es uns, in unterschiedlichen Fabrikumgebungen einen messbaren Geschäftswert zu schaffen und unsere Aktivitäten zu skalieren.“
Zugleich Anwender und Zulieferer
Hier investiert ein globaler Industrie- und Automobilzulieferer nicht nur in humanoide Robotik, sondern steigt zugleich als Komponentenlieferant in die Wertschöpfungskette ein. Schaeffler positioniert sich damit doppelt: als Anwender zur Effizienzsteigerung in den eigenen Werken und als Zulieferer für ein entstehendes Robotik-Ökosystem. Im Zentrum der Partnerschaft stehen rotative Aktoren für zentrale Gelenke wie Schultern und Ellbogen. Die Plattform kombiniert Elektromotoren, Leistungselektronik, Encoder sowie je nach Anwendung Planeten- oder Wellgetriebe.
HERMES AWARD 2026 für Aktoren-Plattform
Damit nimmt Schaeffler einen der zentralen Kosten- und Leistungshebel humanoider Robotik in die Hand. „Unsere innovative Aktoren-Plattform ist das technologische Rückgrat für die nächste Generation der humanoiden Robotik. Wir schaffen damit die Basis, um die humanoide Robotik massenfähig zu machen“, sagt Dr. Jochen Schröder, Vorstand Produktion, Supply Chain Management und Einkauf der Schaeffler AG. In der eigenen Darstellung verweist das Unternehmen darauf, dass Aktoren rund 50 Prozent der Gesamtkosten eines Humanoiden ausmachen können. Schaefflers Aktoren-Plattform für humanoide Roboter, die zur Eröffnung der HANNOVER MESSE 2026 mit dem HERMES AWARD ausgezeichnet wurde, soll Bauraum um rund 20 Prozent reduzieren und Gewicht einsparen, bei gleichzeitig hohem Dauer-Drehmoment.
HANNOVER MESSE als Plattform für industrielle Ökosystembildung
Als Plattform für industrielle Ökosystembildung richtete die HANNOVER MESSE 2026 ihren Robotik-Bereich explizit darauf aus, Anbieter mit Investitionsentscheidern zusammenzubringen. Vor diesem Hintergrund ist die Schaeffler-Hexagon-Vereinbarung ein Beispiel dafür, wie auf der Messe nicht nur Technologien präsentiert, sondern Wertschöpfungspartnerschaften sichtbar gemacht werden.
Reale Produktionsdaten als Schlüssel zur Wertschöpfung mit Humanoiden
Humanoide Roboter gelten seit Jahren als Zukunftsversprechen. Der Unterschied bei Schaeffler und Hexagon liegt in der industriellen Adressierung. Es geht gezielt um wiederholbare Aufgaben in Fabrikumgebungen, um Daten aus realen Prozessen und um einen mehrjährigen Rollout über mehrere Werke. Hexagon betont ausdrücklich, dass reale Produktionsdaten ein Schlüssel sind, um AEON schneller auf neue Use Cases und Produktionsumgebungen zu übertragen.
Investitionsentscheider in der Industrie betrachten humanoide Robotik folglich nicht mehr nur als langfristiges Forschungsthema. Relevante Prüfbereiche sind jetzt konkrete Anwendungsklassen wie Maschinenbeschickung, Teilehandling, Sichtprüfung, innerbetriebliche Materialflüsse und Tätigkeiten mit ergonomischer oder personeller Engpassproblematik.
Schaeffler-Hexagon-Partnerschaft als Signal an die Industrie
Industrieunternehmen können aus dieser Entwicklung drei Schlüsse ziehen. Erstens: Die Wirtschaftlichkeit humanoider Robotik wird stark von Komponenten wie Aktoren, Sensorik, Energieversorgung und Wartbarkeit abhängen, nicht allein von KI-Modellen. Zweitens: Skalierung setzt reale Produktionsdaten voraus – wer früh Pilotumgebungen schafft, kann Lernkurven aufbauen. Drittens: Die Frage lautet nicht, ob Humanoide klassische Industrieroboter ersetzen, sondern wo sie bestehende Automatisierung ergänzen — vor allem bei variantenreichen, bislang schwer automatisierbaren Tätigkeiten. Die Schaeffler-Hexagon-Partnerschaft ist damit ein Signal an die Industrie: Humanoide Robotik verlässt die reine Innovationskommunikation und wird zunehmend zu einer strategischen Produktions-, Lieferketten- und Plattformfrage.
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