Aktuelle Medienberichte melden, dass die Ukraine den Einsatz der ersten bodengestützten Kampfroboter mit Granatwerfern des Typs „Droid NW 40“ genehmigt – und auch andere Länder Europas zeigen mit eigener Defence-Robotik und Drohneninnovationen, wie sie ihren Behauptungswillen mit der Unterstützung autonomer Roboterkämpfer durchsetzen wollen.

Der „Droid NW 40“ des ukrainischen Herstellers DevDroid, ein Unmanned Ground Vehicle (UGV), soll sowohl mit dem US-amerikanischen Mk-19 als auch dem ukrainischen AGL-53 40 mm-Granatwerfer bestückt werden können und NATO-Standards für Reichweite und Einsatzflexibilität erfüllen. Militärexperten sehen mit diesem neuen System die Entwicklung von reinen Überwachungs- oder Transportrobotern hin zu taktisch aktiven UGV-Feuerkraftplattformen vollzogen, die das Risiko für die Infanterie erheblich senken können, indem sie Feuerunterstützung ohne direkte Soldatenpräsenz leisten.

Last Robot Standing: Roboter halten die Stellung

Die Ukraine nutzt bereits erfolgreich UGVs zur Kombination von Aufklärung und Feuerkraft entlang der Frontlinien, und frühere Systeme wie ein mit einer .50-Kaliber-Maschinengewehr ausgerüsteter Roboter sollen bereits über mehrere Wochen ihre Positionen gehalten haben. Die damit verbundenen operationalen Erfahrungen fließen in aktuelle Systeme ein und vergrößern auf beiden Seiten des Konflikts die taktische Innovationskraft.

Defense-Robotik im eigenen Technologie- und Industrieumfeld

Parallel zur Beschaffung einzelner Plattformen wächst in Europa das Bewusstsein, dass Defense-Robotik nicht nur ein US-Phänomen ist, sondern auch im eigenen Technologie- und Industrieumfeld entwickelt werden muss, um strategische Autonomie zu wahren. Die weltweit wichtigste Plattform für alle Technologien rund um die industrielle Transformation, die HANNOVER MESSE, gibt diesem neuen Bewusstsein mit der Defense Production Area Raum und schafft einen neuen Ausstellungsbereich für moderne Produktionstechnologien im Bereich der Verteidigung. Dort präsentieren Unternehmen konkrete Lösungen, wie die Verteidigungs- und Sicherheitsindustrie ihre Fertigungskapazitäten schnell, effizient und sicher skalieren kann – eingebettet in das industrielle Umfeld und die internationale Reichweite der HANNOVER MESSE. So wird beispielsweise der Vorstandsvorsitzender von Rheinmetall Armin Papperger auf der Center Stage der HANNOVER MESSE 2026 erläutern, wie Verschiebungen in der globalen Sicherheitsordnung die Rüstungsindustrie vor erhebliche Herausforderungen stellen. Technologien wie künstliche Intelligenz, autonome Systeme, Drohnen oder Hyperschallwaffen verändern die Anforderungen in rasantem Tempo. Papperger wird im Rahmen einer Podiumsdiskussion zeigen, wie Rheinmetall auf diesen technologischen und geopolitischen Wandel im internationalen Wettbewerb reagiert.

Wachsendes DefenseTech-Ökosystem

Zu den aktuellen Entwicklungen gehört mit Quantum Frontline Industries auch ein neu gegründetes deutsch-ukrainisches Joint Venture, das die industrielle Produktion von taktischen Unmanned Aerial Vehicles (UAVs) für die ukrainischen Streitkräfte startet. Die neuen UAVs basieren auf den bewährten Drohnendesigns „Zoom“ und „Linza“. Die Produktionslinie soll im 1. Quartal 2026 anlaufen und in Deutschland aufgebaut werden – als kraftvolle Antwort auf die enorme Nachfrage nach funktionalen Drohnen im aktuellen Kriegsgeschehen. Quantum Systems aus München gehört zu den führenden europäischen Herstellern autonomer eVTOL-Drohnen mit KI-Unterstützung für Inspektion, Aufklärung und taktische ISR-Aufgaben. Das Akronym eVTOL steht für electric Vertical Take-Off and Landing aircraft. Auch das Münchener DefenceTech-Unternehmen Helsing entwickelt KI-gestützte Loitering-Munition-Drohnen wie die HX-2 und fortified ISR-Drohnen (HF-1), die bereits in großer Stückzahl zum Einsatz kommen und in Europa produziert werden. Darüber hinaus arbeitet Helsing an größeren autonomen Systemen wie dem UCAV CA-1 Europa mit hoher Reichweite und Waffentragfähigkeit, dessen Erstflug im Jahr 2027 erfolgen soll. Mit ARX Robotics ist München in dieser Aufstellung schließlich das dritte Mal vertreten. Das Startup produziert modulare, autonome UGVs mit skalierbaren Hardware- und Softwarearchitekturen für taktische Aufgaben. Plattformen wie Hector oder Systeme, die vorhandene Fahrzeugflotten softwaregestützt vernetzen (mit Mithra OS), werden laut Aussagen der Münchener aktuell von mehreren europäischen Streitkräften evaluiert oder beschafft. Startups wie ARX stehen somit im Kontext eines wachsenden DefenceTech-Ökosystems, das KI-Funktionen, autonome Navigation und adaptive Einsatzrollen integriert – als Teil eines strukturierten Verteidigungs-Dual-Use-Clusters in Bayern und darüber hinaus.

Viele Akteure arbeiten an langfristiger strategischer Unabhängigkeit Europas

Denn neben deutschen Akteuren sind auch andere europäische Hersteller wie Granta Autonomy aus Litauen aktiv, etwa mit den Hornet- und X-Wing-Loitering-Lösungen, die autonom aufklären und Zielbereiche persistenter überwachen sollen als relevante Unterstützung für NATO-Operationen und lokale Verteidigungsaufgaben. Ein weiterer wichtiger europäischer UGV-Entwickler ist Milrem Robotics aus Estland. Produkte der Esten wie THeMIS rücken in den Fokus europäischer Streitkräfte und industrielle Lessons-Learned aus der Ukraine-Nutzung fließen direkt in Weiterentwicklungen ein. Neben klassischen Drohnen und UGVs treiben europäische Hersteller auch unbemannte maritime Systeme voran: Die ukrainische MAGURA-Baureihe beispielsweise zeigt, wie autonome Oberflächen- und Seenavigationsboote für Patrouillen, Minenräumung oder die sogenannte Incluso Luftabwehr eingesetzt werden können. Größere Kooperationen wie der Eurodrone-MALE-RPAS (Airbus/Dassault/Leonardo) werden zudem als Teil der langfristigen strategischen Unabhängigkeit Europas weiter vorangetrieben. Erstflüge sollen für die zweite Hälfte des Jahrzehnts vorgesehen sein.

Defense-Robotik als Teil einer europäischen Verteidigungsstrategie

Die verstärkte Entwicklung und Beschaffung von Systemen der Defense-Robotik ist Teil einer europäischen Verteidigungsstrategie, die steigende Militärausgaben und integrierte Förderprogramme – etwa durch den European Defence Fund – bündelt, um KI, Robotik und autonome Systeme schneller von der Forschung zur Anwendung zu bringen. Deutschland beispielsweise fördert über das Bundesverteidigungsministerium die Drohnenproduktion und vergab jüngst ein Budget für Loitering Munition – umgangssprachlich auch als Kamikazedrohne bezeichnet –, um die Schlagkraft und taktische Flexibilität der Bundeswehr zu erhöhen. Aktuell testen Expertinnen und Experten vom Beschaffungsamt die neuen Systeme. Laut Medienberichten sind Lösungen des Berliner Rüstungs-Startup Stark Defence mit der Drohne Virtus, von Rheinmetall mit dem Modell Raider und des auf KI beim Militär spezialisierten Münchner Unternehmens Helsing mit der Drohne HX-2 in der engeren Wahl.

Systeme müssen ethisch, normativ und sicherheitspolitisch integriert werden

Mit der eingangs erwähnten Genehmigung des Droid NW 40 durch die Ukraine verstärkt sich also ein Trend, den immer mehr europäische Akteure aufgreifen: Robotik und Drohnen werden nicht mehr nur als Hilfssysteme betrachtet, sondern als zentrale Bestandteile taktischer, vernetzter Verteidigungsarchitekturen. Deutsche Unternehmen und Startups wie Quantum Systems, ARX Robotics und Helsing spielen dabei eine zentrale Rolle, während die transnationalen Kooperationen und die industrialisierte Drohnenfertigung Europas Antwort auf die hohen Anforderungen moderner Konflikte sind. Gleichzeitig bleibt die Herausforderung groß, diese Systeme ethisch, normativ und sicherheitspolitisch verantwortbar in bestehende Verteidigungsrahmen zu integrieren. Internationale Zusammenkünfte der Branche wie die HANNOVER MESSE sind daher wichtige Ereignisse, um nicht nur die Vernetzung der Verteidigungsarchitekturen voranzutreiben, sondern auch die daraus erwachsende gesellschaftliche Verantwortung strategisch zu diskutieren.