Ove Petersen und Elon Musk haben momentan ganz ähnliche Probleme. Der eine ist Projektentwickler von GP Joule und will Windparks und Solaranlagen in Deutschland bauen, um das Land mit erneuerbaren Energien zu versorgen und der Amerikaner will in Brandenburg Elektroautos bauen. Ihnen gegenüber stehen Umweltschützer, die in Petersens Fall den Kuckuck und im Fall von Musk Kiefern vor dem Bagger retten wollen.

„Ich hoffe für Elon Musk und Deutschland, die Automobilindustrie, dass sie keinen Rotmilan im Wald finden“, scherzt Petersen. Doch in seinem Witz liegt auch viel Wahrheit. Er hat schon unzählige Diskussionen mit Bürgerinitiativen gegen Wind- oder Solarparks geführt. „Aber wir haben viele überzeugt, mehr als 95 Prozent unserer Projekte sind dann erfolgreich gewesen“, blickt der Energiepionier zurück.

Im Moment sorgt der Kuckuck für hitzige Diskussionen in Landgasthöfen, in denen die Projektentwickler ihre Pläne der Öffentlichkeit präsentieren. „Der Kuckuck wird sterben, wenn wir den Klimawandel nicht ernst nehmen und handeln. Er legt seine Eier in fremde Nester. Doch die Vögel, die Nester bereitstellen könnten, fliegen nicht mehr in den Süden und brüten früher.“ Aus Zugvögeln werden Standvögel. „Das bedeutet kein Kuckuck-Nachwuchs und steht exemplarisch dafür, dass wir die Relationen überdenken müssen, mit denen wir heute die CO2 Einsparung und Energiewende planerisch umsetzen wollen.“

Ein Markt für Kohle

Ist das der Alltag als Energievordenker? „Ja, wir müssen die Energiewende den Menschen vor Ort noch besser erklären, sonst wird das nix. Das Ökosystem unter einem Solarfeld ist schützenswerter als auf normalen, bewirtschafteten Äckern. Das wissen die Menschen nur nicht.“ Technologisch sei Deutschland immer noch Weltspitze bei den regenerativen Energien. „Wir können jedes Problem mit Technik kostengünstig lösen, aber die planerischen und politischen Rahmenbedingungen behindern uns massiv.“ Das Planungsrecht muss schnell angepasst werden. Dazu kommen die Mechanismen des Energiemarkts, die aus den 70er oder 80er Jahren stammen und nicht mehr funktionieren. „Wir haben immer noch ein Marktdesign für Kohle und Atomstrom aber drücken Wind und Sonne in diesen Markt rein.“ Wie meint er das? „Jahrelang haben wir den großen Verbrauchern erklärt, dass es am besten ist, wenn sie stetig einen bestimmten Strom verbrauchen. Dann sinken auch die Netzentgelte. Mit erneuerbaren Energien müssen wir flexibler agieren. Wenn viel Strom aus den Erneuerbaren im System ist wie gerade, muss der günstiger sein und die Verbraucher müssen aufgefordert werden, Energie flexibel nachzufragen.“

Grüner Wasserstoff

Darüber hinaus plädiert Petersen für regionale Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern an Wind- und Solarparks. „Die aktuelle Energiewende wird von oben nach unten vollzogen. Das funktioniert nicht, denn die Menschen verstehen den Strommarkt nicht und auch nicht die Technik, die Netze und die unüberschaubare Regulatorik. Die Menschen müssen direkt vor Ort erleben, was mit der Energie passiert. Deshalb setzen wir stark auf regionale Projekte, beispielsweise erzeugen wir mit Windenergie grünen Wasserstoff, der dann den Schulbus im Dorf antreibt.“ Transparenz, minimale Komplexität und günstige Preise für Energie seien so machbar, verspricht Petersen. „Auch das Zwischenspeichern kriegen wir damit günstig gelöst.“

„Wasserstoff wird künftig ein großes Thema, und wir liefern nicht nur die grüne Energie sondern auch die Elektrolyseure für die Herstellung “, unterstreicht Petersen. Deutschland müsse sich jetzt bewegen. In den Niederlanden arbeite die Regierung schon am Ausstieg aus dem Gasmarkt und stelle die Wirtschaft auf Wasserstoff um. Auch in Frankreich seien erneuerbare Energien sehr stark nachgefragt – ein 50 Prozent-Anteil streben die Franzosen an. „Und auch Donald Trump konnte den US-Markt nicht zerstören, weil die Energiepolitik in vielen Bereichen den Bundesstaaten vorbehalten ist.“ Texas – der Bundesstaat des Öls ist heute einer der Wind-Hot-Spots der Welt. „Apple, Microsoft und viele andere Techcompanies investieren massiv in erneuerbare Energien. Das spüren wir im Markt sehr stark.“

Und dann ist Ove Petersen ganz schnell wieder in Brandenburg. „Und wir trauern ein paar Tausend Bergarbeiter-Jobs nach, während in der Erneuerbaren Energie Branche mindestens genauso viele Jobs auf der Kippe stehen bzw. viele neue Jobs geschaffen werden könnten.“