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Denkt man an Astronautennahrung, erscheinen den meisten Menschen wohl sofort Beutel, Dosen und Essen in Tuben vor dem inneren Auge. Doch selbst für diese oft konzentrierte Form der Nahrung fehlt es an Bord von Raumschiffen und -stationen schlicht an Platz, wenn es darum geht, längere Zeit im Weltraum zu weilen, beispielsweise bei Reisen zum Mars oder bei einer Kolonialisierung des Mondes. Hinzu kommt, dass über natürliche Nahrung aufgenommene Bestandteile wie zum Beispiel Vitamine nicht nur gesünder sind - sie schmecken meist auch besser. Auch deshalb wird daran geforscht, wie Nahrung selbst unter für Pflanzen und Menschen eigentlich lebensfeindlichen Bedingungen hergestellt werden kann. Eines der wohl umfangreichsten Vorhaben in diese Richtung ist das vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Köln geleitete Gewächshaus-Projekt EDEN-ISS. Im Rahmen dieses Projektes verbrachte der DLR-Wissenschaftler Paul Zabel gerade ein ganzes Jahr im ewigen Eis der Antarktis mit der Zucht von Gemüse ohne Erde und unter künstlichem Licht. Damit war er Teil der Überwinterungscrew der vom Alfred-Wegener-Institut (AWI) betriebenen Antarktisstation Neumayer III.

Als das EDEN-ISS-Team jetzt die bisherigen Ergebnisse des Projekts präsentierte, zeigten sich die Forscher nicht nur darüber erstaunt, wie ertragreich die Ernte ausgefallen war und mit wie wenig Energie sie dabei ausgekommen waren – sondern auch darüber, wie sichtbar das Wohlbefinden und die Stimmung des Überwinterungsteams durch die frische Nahrung gestärkt wurden. Es wurde aber auch deutlich, dass der Arbeitsaufwand für Betreuung und Wartung noch erheblich gesenkt werden muss, um künftig kostbare Astronautenzeit zu sparen. Dennoch ist es gelungen, aus den Ergebnissen und Erfahrungen des EDEN-ISS-Projekts ein neues Gewächshauskonzept für Mond und Mars zu entwickeln: entfaltbar und kompakt für den Start mit einer Falcon-9-Rakete. Der Betrieb des Antarktisgewächshauses geht indes weiter und steht Forschungsgruppen aus der ganzen Welt zur Teilhabe offen. "Für zukünftige astronautische Langzeitmissionen müssen Nahrungsmittel vor Ort angebaut werden. EDEN-ISS hat die Machbarkeit eines Weltraumgewächshauses in der Antarktis bewiesen und damit gezeigt, dass diese Technik auch für die Nahrungsmittelproduktion auf Mond und Mars eingesetzt werden kann", sagt Professor Hansjörg Dittus, DLR-Vorstand für Raumfahrtforschung und -technologie. "Das jetzt vorgestellte Konzept für ein Weltraumgewächshaus ist eine wertvolle Grundlage, auf der wir weitere Forschungsarbeit aufbauen wollen."

Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt e. V. (D-51147 Köln)
www.dlr.de