Statt sich nur auf die äußere Form zu konzentrieren, rückt der Tree of Robots die Prozess-Fitness in den Mittelpunkt. Denn entscheidend ist nicht, wie ein Roboter aussieht, sondern wie zuverlässig er Aufgaben erfüllt – sei es präzises Montieren, kraftvolles Handling oder sichere Interaktion mit Menschen.

„Der Tree of Robots verbindet Morphologie mit messbarer Leistungsfähigkeit und schafft eine objektive Grundlage für die Zukunft der Robotik.“

Die Idee ist einfach, aber wegweisend: Roboter werden anhand von Fitness-Metriken bewertet, die ihre Fähigkeiten zur physischen Interaktion beschreiben. Dazu gehören 25 Kennwerte für Kraftsensorik, Reaktionsfähigkeit, manuelle Führbarkeit und Sicherheit. Diese Metriken wurden erstmals systematisch für elf Industrieroboter gemessen und in einem Tactile Fitness Atlas dargestellt. Die Unterschiede sind enorm – manche Systeme sind bis zu zwanzigmal präziser als andere. Das zeigt: Für sichere, intelligente physische Interaktion braucht es eine messbar gute Kombination aus Regelung, Sensorik und Aktorik.

Das Team am Munich Institute of Robotics and Machine Intelligence (MIRMI) der Technischen Universität München hat den Tree of Robots als mehr als nur eine Klassifikation entwickelt. Er ist eine offene Plattform (treeofrobots.com), die es Forschenden und Herstellenden ermöglicht, Daten beizutragen, Roboter zu vergleichen und Entwicklungen transparent zu gestalten. So entsteht ein globaler Standard, der nicht nur die Forschung beschleunigt, sondern auch Unternehmen hilft, die passende Technologie für ihre Prozesse zu wählen.

In Zukunft muss Automatisierung nicht nur schneller, sondern auch intelligenter und autonomer werden – und das gelingt nur durch messbar bessere Performanz in real benötigten Basisfähigkeiten. Der Tree of Robots macht Fortschritt sichtbar, schafft Vertrauen und ebnet den Weg für Roboter, die sicher, effizient und für den Menschen gemacht sind. Er spielt zudem eine zentrale Rolle bei der Entwicklung neuer Sicherheitskonzepte, die am AI Robot Performance and Safety Center des MIRMI erforscht werden.

Über die Autorin

Robin Jeanne Kirschner schloss 2016 ihr Bachelorstudium im Bereich Sportingenieurwesen an der Technischen Universität Chemnitz ab und erwarb 2019 an derselben Hochschule ihren Master in Maschinenbau, der einen Forschungsaufenthalt an der Nagoya University in Japan einschloss. Sie ist derzeit wissenschaftliche Mitarbeiterin am Munich Institute of Robotics and Machine Intelligence (MIRMI), wo sie Sicherheitskonzepte für die physische Mensch-Roboter-Interaktion entwickelt. Am MIRMI leitet sie das AI Robot Performance and Safety Center, das Testmethoden zur Bewertung taktiler Interaktionsfähigkeiten von Robotern erarbeitet und Datenbanken zu biomechanischen Verletzungsgrenzen aufbaut. Darüber hinaus ist Frau Kirschner seit 2025 aktives Mitglied der ISO/TC299-WG8 und wirkt an der Festlegung biomechanischer Schwellenwerte sowie standardisierter Prüfverfahren für eine sichere Mensch-Roboter-Kollaboration mit.