Entscheidend ist die Prozesskette: Daten aus ERP-, Engineering- und Instandhaltungssystemen werden im COMOS Mobile Worker konsolidiert, Roboverse Reply orchestriert die Robotik und filtert die Rückmeldungen so, dass in der Oberfläche nur das Relevante landet. Damit wird aus Roboter-Telemetrie ein verwertbarer Instandhaltungs-Workflow statt eines separaten „Robotik-Silos“.

Inspektion in mehrstöckigen Anlagen und bei schwierigen Lichtverhältnissen

Technologisch setzt Siemens auf LiDAR-gestützte 3D-Erfassung und KI-gestützte Mobilität, sodass sich die Inspektionsroboter auch in mehrstöckigen Anlagen und bei schwierigen Lichtverhältnissen zurechtfinden. ANYmal sammelt auf Abruf Daten von Hunderten Inspektionspunkten autonom. Die Plattform kann so Anomalien sichtbar machen und Ergebnisse in bestehende Systeme zurückspielen. Das adressiert zwei Engpässe gleichzeitig: Fachkräftemangel im Field Service und die Notwendigkeit, Stillstände durch zustandsbasierte Maßnahmen statt starre Wartungsintervalle zu reduzieren.

Explosionsgeschützte Vierbeiner und Kettenhunde

Parallel entsteht ein Markt für Robotics Operations – Software-Layer, die heterogene Roboterflotten, Sensorik und Analytik in den OT/IT-Stack integrieren. Ein aktuelles Beispiel ist die am 10. Februar angekündigte Partnerschaft zwischen Yokogawa und ANYbotics: Yokogawas OpreX Robot Management Core soll in den ANYbotics-Software-Stack integriert werden und so die ANYmal-Flotte zentral managen. Für Prozessindustrien besonders relevant ist ANYmal X, der als explosionsgeschützter, für ATEX- und IECEx-Zone-1 zertifizierter, laufender Inspektionsroboter positioniert wird und im Laufe dieses Jahres auf den Markt kommen soll. Der Ex-Schutz-Trend ist dabei nicht auf Quadrupeden beschränkt. Mitsubishi Heavy Industries entwickelt den auf Ketten fahrenden, explosionsgeschützten Anlageninspektionsroboter EX ROVR „ASCENT“ inklusive Lade-/Dockingstation. Er ist ebenfalls ATEX- und IECEx-Zone 1 zertifiziert und soll mit integriertem 6-Achs-Manipulator zu autonomen Rundgängen aufbrechen und erforderliche Aktionen ausführen. Für Betreiber ist das ein Signal, dass sich in gefährlichen Bereichen ein eigenes Ökosystem aus zertifizierten Plattformen, Sensor-Payloads und Flottenmanagement etabliert.

Entscheidungsfreudig und tatkräftig wie Lassie

Einen geschlossenen Regelkreis aus Robotik und KI treiben Unternehmen rund um den Globus voran. Dazu gehört auch Boston Dynamics mit seinem vierbeinigen Roboter Spot. Im Kontext einer aktuellen Kooperation mit IFS, dem führenden schwedischen Anbieter von industrieller KI-Software, wurde beschrieben, wie dessen Sensordaten direkt in eine agentische KI fließen sollen, die Analysen durchführt und Aktionen anstößt – bis hin zur Priorisierung und Anbindung an Enterprise-Systeme. Das verschiebt den Nutzen von „Roboter sammelt Daten“ hin zu „System entscheidet und initiiert Maßnahmen“ – und macht Integration, Auditierbarkeit und Governance zum eigentlichen Differenzierungsmerkmal.

Organisatorisch braucht es vor allem „Robot Ops“

Strategisch fügt sich das in eine breitere Automatisierungswelle: ABB zielt mit neuen, leichter zugänglichen Robotik-Familien auf den wachsenden Mid-Market, während Boston Dynamics parallel humanoide Plattformen wie Atlas für industrielle Aufgaben vorbereitet. Für industrielle Anwender ergibt sich damit eine klare Priorisierung: Wert entsteht, wenn Datenqualität und Semantik der Inspektionspunkte stabil sind und Findings automatisiert in Work-Management-Prozesse münden. Gleichzeitig wird die Software-Architektur zur Kernfrage, weil COMOS/OpreX/IFS-ähnliche Layer bestimmen, wie schnell Use Cases skalieren, wie Cybersecurity umgesetzt wird und wie stark die Abhängigkeit von einzelnen Robotik-OEMs ausfällt. Organisatorisch braucht es vor allem „Robot Ops“ – Mission-Design, Datenvalidierung, Modellpflege sind hier die Stichworte – damit autonome Inspektion nicht an Ausnahmefällen oder unklaren Verantwortlichkeiten scheitert.

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