Genau dafür wurde sie geholt, wachsam zu sein und neue Produkte zu entwickeln. Rahman ist ein Kosmopolit. Geboren in London, gelebt in Zürich, studiert in Köln, mit dem MBA nach Singapur und Karriere bei SAP gemacht. Heute ist sie Geschäftsführerin von ifm solutions. Rahman kommt aus der IT-Welt und bringt ihr Wissen in das OT-Umfeld der ifm-Kunden ein.

Zurück zum Tweet. Rahman schränkt ihn ein wenig ein. „Alles was uns, treibt sind neue Geschäftsideen zu bauen.“ Das klingt offensiver. ifm sei schon lange kein reiner Hardware-Anbieter mehr, berichtet Rahman. Doch mit ifm solutions gehe man noch einmal ganz neue Wege, bietet seinen Kunden Software an, die ihnen Mehrwert im Umgang mit Hardware von ifm liefert.

„Wir binden unsere Hardware an ERP-Systeme an, bieten eine Plattform, betreiben Data-Analytics, unterstützen den Kunden in seinen Analysen.“ Die Art des Verkaufens hätte sich verändert. Dienstleistungen und Software gewinnen an Bedeutung, die ifm-Gruppe verkauft über die Hardware ihre Lösungen. Der Vertrieb müsse mittlerweile sehr erklärungsbedürftige Lösungen anbieten, noch tieferes Verständnis für die Kundenprozesse haben. Mit dem reinen Komponentenverkauf gäbe es kein Wachstum mehr. „Da müssen wir unsere Kolleginnen und Kollegen schulen.“ Und dann spricht Rahman von der Plattform. Aber warum baut ifm wieder eine eigene Plattform, wenn es doch überragende Systeme gibt, muss ich als Anwender den zehnten Browsertab öffnen?

APIs bereitstellen

„Nein, die Daten laufen beispielsweise auch in das ERP rein, wir bieten die Plattform as a Service an, engagieren uns aber auch in anderen Ökosystemen.“ ifm gehört zu den Gründungsmitgliedern der Open Industry 4.0 Alliance, die auf der Hannover Messe 2019 aus der Taufe gehoben wurde. Erstes Ergebnis: eine offene, auf RAMI 4.0 basierende Architektur, die auf den vier Bausteinen Device Connectivity, Edge, Operator Cloud und Cloud Central fußt.

„Unsere Kunden fordern Interoperabilität. Das heißt, wir müssen auch gegenüber Mindsphere oder Adamos offen sein, APIs bereitstellen“, erklärt Rahman. Das gelte für alle am Markt. Doch Bereitstellen reicht ihr nicht. „Wir wollen mit dem Kunden arbeiten.“ ifm solutions setzt einen Schwerpunkt auf das Thema Analytics und Machine Learning. Wird der Sensor zur Edge, kommen ML-Modelle auf den Sensor? Die Rechenleistung steigt. „Ja, wir werden kleine Modelle direkt auf den Sensor zurückspielen können. Die Reise geht in diese Richtung.“ Die Sensorikbranche und mit ihr auch ifm und Nadine Rahman forschen an der sensornahen KI. Ein Ansatz wäre beispielsweise, nicht mehr alle Rohdaten zur Auswertung in die Cloud zu senden, sondern nur noch die Ergebnisse aus dem Machine Learning zu übertragen - Embedded-Systeme machen das möglich. Fest steht, die Branche wird mit mehr Software arbeiten, Nadine Rahman und ihren Kolleginnen und Kollegen ist das gerade recht. Der Anteil der Software im Sensor wird sich erhöhen und Fraunhofer Forscher trainieren Modelle schon auf dem Sensor.

Doch davor stehe viel Arbeit. Um kleine Anwendungen zu entwickeln, müssen vorab Datenmengen gesammelt, verschoben analysiert, gefeatured, für ein Training genutzt werden und das Ergebnis vom Domänenexperten begutachtet werden. „Das wird on premise oder in der Cloud stattfinden. „Wir kommen von Big Data zu Smart Data“, sagt Rahman.

In der ifm-Welt kümmern sich die Kolleginnen und Kollegen des Tochterunternehmens Statmath um das Thema. Die Mitarbeiter sind spezialisiert auf die Analyse, Auswertung und intelligente Nutzung großer Datenmengen. Auf Basis von intelligenten Algorithmen entwickeln sie Softwarelösungen, modulare Softwarebausteine und Individuallösungen für verschiedene Branchen - Daimler, BMW, Mondi, Achenbach Buschhütten oder Vetter zählen mittlerweile zu den Kunden.

Erinnern Sie sich an den Tweet von oben? Die Gegenmaßnahmen wirken. Rahman und ihre Kolleginnen und Kollegen bieten beide Welten - Hardware- und Softwarekompetenz und sind damit reinen Data-Analytics-Unternehmen einen Schritt voraus.