Indonesien will Industrieland werden und benötigt dafür Technologie. Deutschland hat als Lieferant einen exzellenten Ruf im Inselreich. Dennoch haben die Wirtschaftsbeziehungen zwischen beiden Ländern ein vergleichsweise geringes Niveau. Viele deutsche Unternehmen scheuen bisher ein Engagement vor Ort. Rechtsunsicherheit und eine ausufernde Bürokratie halten sie ab. Nun soll eine ambitionierte Reform die Investitionsbedingungen deutlich verbessern.

Indonesien ist ein schnell wachsendes Schwellenland. Was benötigt die Industrie des Archipels von deutschen Anbietern?

Eigentlich alles, weil das Land kaum Technologie oder Vorprodukte selbst herstellt. Das soll sich allerdings ändern, und dazu bedarf es wiederum moderner Produktionstechnologie. „Made in Germany“ genießt einen hervorragenden Ruf in Indonesien. Doch die Wirtschaftsbeziehungen sind ausbaufähig: Deutschland exportiert wertmäßig nicht einmal halb so viel nach Indonesien wie nach Luxemburg. Nur 1 Prozent der ausländischen Direktinvestitionen Indonesiens kommt aus Deutschland.

Wo liegen Indonesiens stärken?

Die Wirtschaft ist noch immer abhängig von Rohstoffen. Der Export von Kohle, Gas, Palmöl und Erzen erwirtschaftet den Aufbau der produzierenden Industrie. Am weitesten sind die Nahrungsmittelverarbeitung, die Automobilindustrie, die Textilbranche sowie der Elektronik- und Chemiesektor. Diese fünf Branchen sind deshalb Kern der 2018 entworfenen Regierungsstrategie „Making Indonesia 4.0“.

Wie sind die Aussichten für digital vernetzte Produktionsprozesse in Indonesien?

Es gibt vereinzelt hochmoderne Fabriken. Dennoch ist der Weg zu Industrie 4.0 noch weit. Es fehlen Fachkräfte, die entsprechende Systeme aufsetzen, warten und bedienen können. Außerdem sind die Löhne niedrig, es gibt daher vielerorts wenig Anreiz für die Implementierung teurer High-end-Produktionstechnologien. Deshalb steht zunächst weniger die vernetzte Fabrik im Fokus, stattdessen eher die erweiterte Automatisierung von Produktionsprozessen. Aber auch dafür benötigt das Land Technologiepartner.

Warum sind bisher nur wenige deutsche Unternehmen in Indonesien aktiv?

Viele machen einen Bogen um das Land, weil die Investitionsbedingungen deutlich schlechter sind als etwa in den Nachbarländern Malaysia oder Thailand. Doch Präsident Joko Widodo hat zu Beginn seiner zweiten und letzten Amtszeit umfassende Reformen versprochen. Seine mutige Gesetzesinitiative, die das rigide Arbeitsrecht lockern, für ausländische Unternehmen den Lizenzerwerb erleichtern und mehr Rechtssicherheit schaffen soll, wird gerade im Parlament verhandelt. Was am Ende des Ratifizierungsprozesses davon übrig bleibt, ist derzeit schwer abzuschätzen.

Wo kann Deutschland Indonesien jenseits von Technologielieferungen noch unterstützen?

Größtes Hindernis für Indonesiens weitere Entwicklung ist das geringe Bildungs- und Ausbildungsniveau. Das Land muss bis 2030 grob geschätzt 60 Millionen Arbeitnehmer qualifizieren, um seine Entwicklungsziele zu erreichen. Mit deutscher Hilfe sind einige duale Ausbildungswege initiiert worden. Allerdings reden wir hier nur von einigen Hundert Absolventen. Die Herausforderungen sind enorm und benötigen viel Zeit.

Wie weit ist Indonesien auf seinem Entwicklungspfad?

Das Land befindet sich seit zwei Jahrzehnten in einem fulminanten Wirtschaftsaufschwung, hat sich zu einem demokratischen Leuchtturm Südostasiens mit einer überwiegend freien Presse entwickelt – und ist in diesem Prozess weitgehend friedlich geblieben. Wer sich die Geografie und die ethnische Heterogenität des Landes anschaut, erkennt, was das für enorme Errungenschaften sind.