Vor diesem Hintergrund baut auch die Schaeffler AG ihr Engagement im Bereich humanoider Robotik systematisch aus, um sich als Technologiepartnerin für die nächste Generation von Industrie-Robotern zu positionieren.

Der deutsche Automobil- und Industriezulieferer Schaeffler AG erweitert sein Engagement im Zukunftsfeld der humanoiden Robotik deutlich und will sich als technologischer Vorreiter in einem der dynamischsten Wachstumsmärkte der Industrie etablieren. Die jüngsten Entwicklungen zeigen eine strategische Neuausrichtung, die klassische Automobiltechnik mit hochinnovativen Robotik-Technologien verschmilzt und sowohl die Produktentwicklung als auch die Industrieanwendung humanoider Systeme umfasst.

Hochpräzise Aktoren für zweibeinige und radbasierte Roboterplattformen

Einer der jüngsten Meilensteine ist die im Januar 2026 offiziell verkündete strategische Technologiepartnerschaft mit dem britischen Robotik- und KI-Unternehmen Humanoid. Diese Kooperation zielt darauf ab, gemeinsam wegweisende Komponenten für humanoide Roboter zu entwickeln und zu liefern — insbesondere hochpräzise Aktoren, die sowohl in zweibeinigen als auch in radbasierten Roboterplattformen eingesetzt werden können. Dazu gehört ein umfangreicher Liefervertrag für Schaeffler-Komponenten sowie die Absicht, mehrere hundert humanoide Roboter innerhalb der nächsten fünf Jahre in Schaefflers weltweites Produktionsnetzwerk zu integrieren.

Maßgebliche Mitgestaltung robotischer Fertigungsmodelle

Im Rahmen dieser Partnerschaft werden nicht nur Technologien geliefert, sondern auch Robot-spezifische Daten erfasst, um KI-Modelle zur Steuerung und Optimierung der Roboterleistung zu trainieren. Schaeffler plant somit, nicht nur Komponentenhersteller zu sein, sondern aktiv an der Industrialisierung humanoider Systeme mitzuwirken. Nach Angaben des Unternehmens soll dieser Schritt Schaeffler zu einem bevorzugten Technologiepartner im schnell wachsenden Robotik-Segment machen – weg von reinen Zulieferaktivitäten hin zu maßgeblicher Mitgestaltung robotischer Fertigungsmodelle.

Vierstellige Zahl humanoider Roboter im Fertigungsumfeld

Parallel dazu intensiviert Schaeffler eine Technologiepartnerschaft mit Neura Robotics, einem weiteren europäischen High-Tech-Partner im Bereich kognitiver Robotik. Diese Kooperation wurde bereits im Herbst 2025 initiiert und umfasst die gemeinsame Entwicklung sowie Lieferung zentraler Komponenten für humanoide Roboter, einschließlich innovativer Aktoren und Sensorik. Zudem werden Roboter von Neura in Schaefflers Fertigung eingebunden – langfristig ist die Integration einer mittleren vierstelligen Anzahl solcher Systeme in die Produktionsprozesse des Konzerns bis 2035 geplant. Durch die gemeinsame Nutzung realer Produktionsdaten sollen humanoide Systeme kontinuierlich lernen und sich weiterentwickeln, um ein physisches KI-Ökosystem – hier „Neuraverse“ genannt – zu stärken.

Serienreifes Schlüsselprodukt für humanoide Systeme

Ein wesentlicher technologischer Fortschritt, den Schaeffler im Robotikbereich vorantreibt, ist der Planetenradaktor für humanoide Roboter, der im Dezember 2025 erstmals auf der CES vorgestellt wurde. Schaeffler bezeichnet diesen Aktor als serienreifes Schlüsselprodukt für humanoide Systeme: Es kombiniert ein zweistufiges Planetengetriebe, einen Elektromotor, einen Encoder und einen Controller in einer kompakten Einheit. Durch ihre hohe Präzision, Energieeffizienz und die Möglichkeit zur Rückführung (Back-Drive-Ability) ermöglicht diese Entwicklung Roboterbewegungen, die sowohl präzise als auch energieeffizient sind und damit praktische Anwendungen in der Industrie erleichtern.

Wettbewerbsvorteil im Vergleich zu vielen Robotik-Startups

Die Bedeutung solcher Aktorsysteme für humanoide Roboter ist erheblich: Durchschnittlich benötigen humanoide Systeme 25 bis 30 solcher Aktoren, um Arme, Beine oder Rumpf präzise zu steuern. Schaeffler betont, dass die vollständige In-House-Fertigung dieser Komponenten sowohl höchste Qualitätsstandards als auch eine schnelle Skalierbarkeit für große Stückzahlen ermöglicht. Dies sei ein Wettbewerbsvorteil im Vergleich zu vielen Robotik-Startups, die oft stark auf externe Zulieferer angewiesen sind.

Forschungsstandorte in Asien

Ein weiteres strategisches Element in Schaefflers Robotik-Engagement ist die Zusammenarbeit mit Forschungspartnern wie der Nanyang Technological University (NTU) in Singapur. Durch diese Kooperation baut Schaeffler seine Forschungsstandorte in Asien aus und schafft Plattformen für angewandte Robotik- und KI-Forschung, die langfristig technologische Differenzierungsfähigkeit sichern sollen. Diese Forschungsinvestitionen sind Ausdruck eines integrierten Ansatzes, der kommerzielle Entwicklungen, industrielle Anwendung und Wissensgenerierung verzahnt.

I bought this after Elon went crazy

Die Entwicklungsdynamik von Schaeffler findet statt vor dem Hintergrund einer wachsenden internationalen Bewegung im Bereich humanoider Robotik. Besonders hervorgetreten ist zuletzt der US-Konzern Tesla: In seinem jüngsten Quartalsbericht kündigte das Unternehmen an, die dritte Generation seines humanoiden Roboters Optimus im ersten Quartal 2026 vorzustellen und bis Ende des Jahres eine Produktionslinie einzurichten, die langfristig eine Kapazität von bis zu einer Million Einheiten pro Jahr anstrebt. Tesla plant zudem, Optimus-Modelle nicht nur in eigenen Produktionsstätten einzusetzen, sondern sie ab 2027 auch an Endkunden zu verkaufen, einschließlich Anwendungen in Industrie, Haushalt und Service-Bereichen.

Auch Hyundai Motor Group mischt mit

Auch andere internationale Akteure melden Fortschritte: Die amerikanische Robotikschmiede Boston Dynamics, Teil der Hyundai Motor Group, hat mit dem Electric Atlas jüngst einen humanoiden Roboter vorgestellt, der ab 2028 in Fabrikumgebungen eingesetzt werden soll. Atlas gilt als technologisch führend in Sachen Mobilität und Automation und symbolisiert die Konvergenz von klassischen Robotikfähigkeiten mit industriellen Anwendungen.

Nachfrage wächst trotz technologischer Hürden

Im globalen Vergleich drängen zudem chinesische Unternehmen in den Wettbewerb. Hersteller wie UBTech berichten von Fortschritten bei ihren humanoiden Plattformen, auch wenn aktuelle Modelle bislang kaum die Effizienz menschlicher Arbeitskräfte erreichen. Trotz dieser technologischen Hürden wächst die Nachfrage und damit der Druck, autonome Systeme für konkrete Aufgaben in Produktion und Logistik zu skalieren.

Zukunftsvision wird konkret umsetzbarer Baustein industrieller Automatisierung

Vor dem Hintergrund dieses geschilderten Kontextes zeichnen sich die Konturen eines dynamischen Szenarios ab: Schaeffler nutzt strategische Partnerschaften zur Integration eigener technologischer Stärken in humanoide Robotik-Ökosysteme, während globale Schwergewichte und spezialisierte Entwickler parallel Maschinennetzwerke, Produktionsstrategien und KI-Fähigkeiten weiterentwickeln. Diese Entwicklung signalisiert, dass humanoide Robotik nicht mehr als Zukunftsvision, sondern als konkret umsetzbarer Baustein industrieller Automatisierung wahrgenommen wird. Für Entscheider bedeutet dies, dass Investments in Partnernetzwerke, Dateninfrastrukturen und modulare Robotik-Komponenten zunehmend zum strategischen Differenzierungsmerkmal werden – nicht nur zur Effizienzsteigerung, sondern zur Neugestaltung von Wertschöpfungsketten in der Industrie.